1915-11-17-DE-003
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Quelle: DE/PA-AA/R14089
Zentraljournal: 1915-A-34383
Botschaftsjournal: 10-12/1915/10102
Erste Internetveröffentlichung: 2000 März
Edition: Genozid 1915/16
Telegramm-Abgang: 11/17/1915 03:00 PM
Telegramm-Ankunft: 11/18/1915 05:00 PM
Praesentatsdatum: 11/27/1915 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: No. 167/B. No. 10102
Zustand: B
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Konsul in Aleppo (Rößler) an die Botschaft Konstantinopel

Telegraphischer Bericht



No. 167.
Antwort auf Telegr. Nr. 126.
Besitztum der Deutschen Orientmission Urfa ist gänzlich unbeschädigt geblieben. Dagegen ist die Wegführung des gesamten einheimischen Personals ein schwerer Schlag. Zahlreiche muselmanische Familien welche verschickten armenischen Kindern und Frauen Schutz und Aufnahme gewährten durften sie behalten. Deutschen aber nahm man ihr Personal. Je später der Befehl zur Rückkehr eintrifft desto schwerer wird es die Verschickten wiederzufinden.

[Botschaft an den Reichskanzler 20.11.]

Auf Erlaß vom 3. d.M. No. 822.

Über die Vorgänge in Urfa liegt seitens des Kaiserlichen Konsuls in Aleppo bisher nur ein kurzes Telegramm vom 9. Oktober vor. Danach hatte die Armenische Bevölkerung, als sie Ende September von ihrer bevorstehenden Verschickung benachrichtigt wurde, beschlossen, sich zur Wehr zu setzen und sich in ihren Häusern verschanzt. Fahri Pascha, der Militärkommandant von Aleppo, begab sich an Ort und Stelle, aber erst nach hartnäckigen Strassenkämpfen, bei denen die Türken auch Artillerie verwendeten, konnte der Aufruhr niedergeschlagen werden.

Aus einer vom Ministerresidenten a.D. von Oppenheim zur Verfügung gestellten Aufzeichnung, die auf Mitteilung des Grafen Wolfskehl beruht, ist Folgendes zu entnehmen:

Das Besitztum der Deutschen Orientmission ist nach einem Telegramm des Konsuls Roessler vom 17. d.Mts. gänzlich unbeschädigt geblieben.

Ausser diesem Kampfe ist bereits vor einigen Monaten - am 19. August - eine grössere Ausschreitung in Urfa vorgekommen, bei der 200 Armenier und syrische Christen den Tod fanden. Hierüber enthält die dem Berichte des Herrn Roessler an Ew. Exzellenz vom 3. September beigefügte Aufzeichnung des Diakon Künzler in Urfa nähere Einzelheiten; dagegen ist über das von Herrn Lepsius erwähnte Massaker, das Mitte September stattgefunden haben soll, hier Nichts bekannt geworden, und, wenn Herr Lepsius eine Bestätigung dafür in der Mitteilung der dortigen Türkischen Botschaft vom 27. Oktober findet, so ist zu bemerken, dass die in dieser Mitteilung angeführten beiden Daten - 16. September und 3. Oktober - nach altem Stile zu verstehen sind und vielmehr, in Übereinstimmung mit den vom Konsul Roessler und dem Grafen Wolfskehl gemachten Angaben, dem 29. September und 16. Oktober neuen Stils entsprechen.

Leider ist es trotz der dringenden Verwendung der Kais. Botschaft und des Konsuls Roessler nicht gelungen das Verbleiben der armenischen Angestellten und Pfleglinge der deutschen Anstalten in Urfa zu erlangen. Der Minister des Auswärtigen, Halil bey, hatte zunächst die Berücksichtigung unserer diesbezüglichen Wünsche zugesagt, aber Fahri Pascha erklärte nur militärischen Rücksichten gehorchen zu können und wollte höchstens solche Armenier in deutschen Diensten ausnehmen, die nicht mit Familien von Aufständischen verwandt sind und keine soziale Stellung einnehmen. Mit Rücksicht auf die zu Anfang geschilderten Vorgänge, durch die die Armenier von Urfa besonders belastet erscheinen, habe ich zu meinem Bedauern von weiteren Schritten bei Enver Pacha Abstand nehmen zu müssen geglaubt.


In Vertretung
N[eurath]


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