1917-06-13-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14096
Zentraljournal: 1917-A-19500
Erste Internetveröffentlichung: 2003 April
Edition: Genozid 1915/16
Praesentatsdatum: 06/15/1917 p.m.
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Direktor des Deutschen Hülfsbundes für christliches Liebeswerk im Orient Friedrich Schuchardt an den Legationsrat im Auswärtigen Amt Rosenberg

Schreiben



Frankfurt a. Main, den 13. Juni 1917
Sehr geehrter Herr Rosenberg,

Heute lasse ich ein Gesuch an die Deutsche Militärmission in Konstantinopel abgehen, das ich mir gestatte, Ihnen in Abschrift beizulegen. Wenn es Ihnen möglich wäre, ein fürsprechendes Wort einzulegen, so wäre das für unsere Arbeit vom grössten Vorteil, denn wahrscheinlich würde uns dadurch ein bedeutender Geldverlust erspart bleiben.

Dieser Tage hatte ich den Besuch eines Herrn, der als Ingenieur längere Jahre in Kleinasien lebte. Derselbe ist der festen Ueberzeugung, dass seitens der hohen türkischen Beamten, - er nannte besonders für den Distrikt Aleppo die Namen Dschemal und Izzet Pascha – ein glänzendes Geschäft mit dem Papiergeld gemacht werde und dass alle die Massnahmen dieser Herren zur Gleichbewertung des Papiergeldes mit dem Hartgeld nur geschehen, um dem Auslande Sand in die Augen zu streuen. Ich gebe Ihnen diese Mitteilung unverbindlich weiter.

Der genannte Herr erzählte mir auch einige recht betrübende Dinge über die Behandlung Deutscher durch türkische Behörde.

Auch eine Dame aus Norwegen, die jetzt aus der Türkei kam und nach Berlin reiste, berichtete mir über die kleinlichen Schikanen, die sie auf der Polizeibehörde in Konstantinopel erfahren habe, trotz Empfehlung des Deutschen Generalkonsulats.

Was den neuen Bericht betrifft, (Greueltaten der Russen und Armenier gegen Moslems in der Gegend von Ersingjan) wäre es dringend zu empfehlen, wenn derselbe im Interesse des deutschen Ansehens nicht veröffentlicht würde, da eine Nachprüfung desselben völlig ausgeschlossen ist, und im Ausland mit Recht noch mehr wie je der Eindruck erweckt wird, dass Deutschland die blutigen Massnahmen seines Bundesgenossen billige. Im umgekehrten Falle würde die kleine Türkei dem grossen Deutschland gegenüber sich nicht zu einer solchen Veröffentlichung hergeben, wofür ja eine ganze Reihe Schulbeispiele nicht fehlen dürften.

Mit sehr herzlichem Gruss zeichnet Ihr Ihnen stets sehr dankbar ergebener


F. Schuchardt


Anlage

Abschrift.

An die deutsche Militärmission Konstantinopel.

Wir gestatten uns, die ergebene Anfrage an Sie zu richten, ob es nicht möglich wäre, dass uns die Deutsche Militärmission bei der Durchführung unserer Arbeit behülflich wäre.

Wie Ihnen vielleicht bekannt ist, unterhalten wir in den Städten Mamouret-ul-Asis, Marasch & Harunije etwas über 1200 Waisenkinder christlicher Religion. Der Unterhalt derselben ist unter den jetzigen Verhältnissen ungeheuer schwierig, besonders auch durch den grossen Verlust, der bei Zahlungen in Papiergeld entsteht.

Wir wären herzlich dankbar, wenn durch Unterstützung der Deutschen Militärmission der für unsere Stationen notwendige Vorrat an Weizen gegen Zahlung des Einkaufspreises beschafft werden könnte. Falls Sie auf unsere Bitte einzugehen in der Lage sind, möchten wir Sie höflichst bitten, sich mit

Herrn Prediger Joh. Ehmann, Mamouret-ul-Asis
Herrn Karl Blank, Marasch, Vilajet Aleppo,
& Herrn B. von Dobbeler, Harunije, Vilajet Adana, Bez. Baghtsche

direkt in Verbindung zu setzten.

Um eine wohlwollende Prüfung unserer Bitte ersuchend zeichnet


F. Schuchardt


[Auswärtiges Amt an Botschaft Konstantinopel (Nr. 566) 17.6.]

Unter Abschrift der Anlage des Eing. dem Botschafter, Pera, mit der Bitte ergebenst übersandt, das Gesuch des Hülfsbundes, der seine Anstalten zur Zeit für kranke u. verwundete deutsche Soldaten zur Verfügung gestellt hat, bei der Militärmission unterstützen zu wollen.

Sollte die Militärmission nicht darauf eingehen können, so bitte ich womöglich auf anderem Wege, vielleicht durch Vermittelung des Konsuls Meyer, dem Verein die Beschaffung von Getreide zu erleichtern.


[Antwort Auswärtiges Amt an Schuchardt 17.6.]

Sehr geehrter Herr Direktor,

Auf Ihren Brief an Herrn v. Rosenberg vom 13. Juni teile ich Ihnen ganz ergebenst mit, daß die Kaiserl. Botschaft in Konstantinopel ersucht worden ist, Ihren Antrag auf Beschaffung billigen Weizens bei der Militärmission zu unterstützen, und, falls die Mil. Mission nicht darauf eingehen kann, Ihnen womöglich auf anderem Wege zur Erlangung von Erleichterungen behilflich sein kann.

Eine Veröffentlichung des in Ihrem Brief ferner erwähnten türkischen Berichts über russische und armenische Greueltaten gegen Mohammedaner wird hier nicht beabsichtigt.

Sollte Sie Ihr Weg in nächster Zeit einmal nach Berlin führen, so wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie mich im Ausw. Amt aufsuchen wollten.

Mit vorzüglicher Hochachtung ganz ergebenst


[Göppert]


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