1917-04-27-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14096
Zentraljournal: 1917-A-13808
Erste Internetveröffentlichung: 2000 März
Edition: Genozid 1915/16
Praesentatsdatum: 04/28/1917 p.m.
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Vorsitzende der Orient- und Islam-Kommission des Deutschen Evangelischen Missions-Ausschusses (Karl Axenfeld) an den Reichskanzler (Bethmann Hollweg)

Schreiben




Berlin N.O. 43, den 27. April 1917
Georgenkirchstraße 70.
Euer Exzellenz

wollen es mir nicht verübeln, wenn ich noch einmal eine dringliche Bitte zugunsten des armen armenischen Volkes ehrerbietigst vorzutragen mir erlaube.

An den Wechsel des Großwezierats hatte sich, wie Nachrichten vom Orient erkennen ließen, die Hoffnung auf Milderung der gegen die Armenier getroffenen Maßnahmen geknüpft. Neuere Eingänge, die durch die dem Auswärtigen Amt vorliegenden Berichte nur bestätigt werden, lassen leider erkennen, daß das Elend noch immer wächst, ja neuerdings wieder Verschärfungen eingetreten sind.

Sollte es nicht Euerer Exzellenz möglich sein, die Anwesenheit des Herrn Großwezirs zu benutzen, um ihm persönlich darzulegen, wie schlechthin unerträglich es für uns deutsche Christen ist, mit verschränkten Armen mit ansehen zu sollen, daß ein altes christliches Volk unter den Händen unserer Bundesgenossen dahinstirbt, und ihn zu bitten, daß er endlich eine Lösung der Armenierfrage suche, die den politischen Bedürfnissen und den wahren Interessen des osmanischen Reiches entspricht, ohne seine neue Entwickelung mit so furchtbarer Blutschuld und dem Fluch der gesamten gesitteten Welt zu beladen?

Die Frage ist besonders dringlich geworden durch den Abbruch der politischen Beziehungen zwischen der Türkei und Amerika, weil dadurch die Fortführung der amerikanischen Liebestätigkeit in Frage gestellt ist. So sollte wenigstens uns Deutschen, deren loyale Gesinnung gegen die Türkei ja jenseits jeden Zweifels steht, der Weg zur Hilfeleistung vertrauensvoll freigegeben werden.

In Ehrerbietung und Dankbarkeit

Euer Exzellenz gehorsamster


Karl Axenfeld

[Notiz Rosenberg]


Selbstverstdl. bei T. P. während seines Besuchs in D. zur Sprache gebracht u. unser Standp. dabei nachdrücklich zur Geltung gebracht worden ist. Wegen Hilfeleistung i. Pera.



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