1918-07-15-DE-002
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Quelle: DE/PA-AA/R14103
Zentraljournal: 1918-A-30301
Erste Internetveröffentlichung: 2000 März
Edition: Kaukasus Kampagne
Praesentatsdatum: 07/17/1918 a.m.
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Die Delegation der Armenischen Republik in Berlin an das Auswärtige Amt

Schreiben



Berlin, den 15. Juli 1918

Die Depesche unserer Delegation in Konstantinopel vom 12. d.M., die Sie uns zuzusenden die Güte hatten, übermittelt uns ein Telegramm des armenischen Nationalrats aus Tiflis vom 7. d.M., wonach täglich alarmierende Nachrichten über Greuel gegen Armenier aus den von türkischen Truppen besetzten armenischen Gebieten einlaufen. Zahlreiche türkische und tatarische Banden treiben ungestraft ihr Unwesen. Im Süden von Sanahin in Lori mehren sich die Plünderungen und Morde an Armeniern, und in Karaglis sind noch nach Unterzeichnung des Friedensvertrags von Batum fast 2000 armenische Männer, Frauen und Kinder den Massacres zum Opfer gefallen. Nach den bitteren Erfahrungen in Türkisch-Armenien bedeuten diese Vorgänge, die ähnlich auch in anderen Gegenden sich häufen, - so z.B. bei der deutschen Kolonie in Katharinenfeld - das Vorspiel zu katastrophalen Ereignissen, und aus diesen Befürchtungen heraus ersucht der armenische Nationalrat seine Delegierten, gegen diese Untaten energischen Protest zu erheben, und auf die unverzügliche Räumung des armenischen Gebiets durch die türkischen Truppen zu dringen.

Wir durften bereits durch unser ergebenes Schreiben vom 2. Juli der schweren Sorge Ausdruck geben, die uns und unserer Nation die Fortdauer der türkischen Besetzung unseres Gebiets bereitet, wodurch die Lage der Hunderttausende zählenden armenischen Flüchtlinge, die nackt und hungrig in den Bergen und Wäldern umherirren und massenweise den Entbehrungen erliegen, sich in steigendem Masse verschlimmert und die Rückkehr von Ruhe von Beruhigung in unser Volk unmöglich gemacht wird. Jede Woche, um die sich die Räumung verzögert, erschwert die Lage, verwickelt die Situation mehr und treibt einem Zustand entgegen, dessen Gefahren für das Schicksal der Flüchtlinge und die Existenz unserer Nation überhaupt offensichtlich sind. Wir bitten auch, darauf hinweisen zu dürfen, dass die mit der türkischen Besetzung zusammenhängenden dauernden Ausschreitungen gegen die Armenier bei unseren Volksgenossen in allen Ländern begreiflicherweise starke Erregung und Befürchtungen hervorrufen und geeignet sind, unserer Aktion zur Mässigung der armenischen Propaganda in unerwünschter Weise zu durchkreuzen.

Von dem dringenden Wunsche der Deutschen Regierung, Armenierverfolgungen im Kaukasus zu verhindern, sind wir vollkommen überzeugt und dankbar dafür. Aber solange die Türken noch Teile unseres Gebiets besetzt halten, werden sie immer Mittel und Wege finden, offen oder versteckt, direkt oder indirekt, durch organisierte türkische und tatarische Banden ihrer Politik der Armenier-Ausrottung nachzugehen. Schon die Vertreibung der Armenier aus ihren Heimstätten ist ein solches Mittel, das die Flüchtlinge wirtschaftlich ruiniert und sie zugleich allen Gefahren der Aufreibung aussetzt. Daher werden die Türken in jeder Weise ihre Rückkehr in ihre Wohnstätten verhindern. In dem Telegramm des armenischen Nationalrats ist auch von einem Schreiben Essad Paschas die Rede, der die Rückkehr der armenischen Flüchtlinge aus Achalkalak für unmöglich erklärt, weil die Bevölkerung angeblich über Verbrechen der Armenier dort noch stark erregt sei. Von Verbrechen, die Armenier in Achalkalak verübt haben sollen, ist uns nichts bekannt; aber die Hinfälligkeit der Begründung Essad Paschas ergibt sich schon aus der Tatsache, dass in Achalkalak die Mohammedaner - auf die sich doch nur die Erregung beziehen könnte - nur einen verschwindend kleinen Prozentsatz der Gesamtbevölkerung ausmachen. In dem Bezirk Achalkalak leben:

Das einzige Mittel, den verderblichen Absichten der Türken bezüglich der Armenier rechtzeitig und wirksam zu begegnen, bietet nur die baldige Räumung unseres Gebiets und die Verwirklichung der Bedingungen des Brester Vertrags hinsichtlich unserer Grenzen. Nur ein energisches Eingreifen Deutschlands vermag die Türken zur Zurücknahme ihrer Truppen zu nötigen, und im Hinblick auf die wachsende Erregung und Panik, die das Verbleiben und die Ausschreitungen türkischer Truppen auf unserem Gebiet verursachen, wiederholen wir, indem wir gegen die türkischen Ausschreitungen in aller Form protestieren, inständigst unsere dringende Bitte, durch alsbaldige Entfernung der türkischen Besatzungen unser Volk aus einer Lage folgenschwerer Entwurzelung und voll lauernder Gefahren zu retten, bevor es zu spät ist. Wir bitten ferner, bis zur Durchführung der Räumung und zu ihrer Überwachung die Armenier durch eine militärische Expedition vor weiteren Verfolgungen schützen zu wollen.

Die Bevollmächtigten der armenischen Regierung:
Dr. H. Ohandjanian
A. Suraboff


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