1916-08-15-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14093
Zentraljournal: 1916-A-21876
Erste Internetveröffentlichung: 2003 April
Edition: Genozid 1915/16
Telegramm-Abgang: 08/15/1916
Praesentatsdatum: 08/17/1916 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: A.Nr. 2116/Nr. 750
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Gesandte in Stockholm (Lucius von Stoedten) an den Reichskanzler (Bethmann Hollweg)

Bericht



A.Nr. 2116 / Nr. 750
Stockholm, den 15. August 1916

In “Dagens Nyheter” vom 15. August 1916 schildert der Armenier Arschak Safrastian, der als Korrespondent englischer Zeitungen in Armenien war und jetzt einige Tage in Stockholm weilt, die Leiden seines Volkes in den schrecklichsten Farben. Eine halbe Million Armenier sei ganz einfach ermordet, eine andere halbe Million von Haus und Hof verjagt worden. Auch diese Letzteren litten unter Hunger und Krankheiten und seien dem Untergange geweiht, wenn sich niemand ihrer annehme. Alle schönen Frauen und jungen Mädchen seien ohne Schonung in die türkischen Harems geschleppt worden. Aus der Stadt Erzerum habe man 25000 Armenier vertrieben, die Männer ermordet und in den Euphrat geworfen und die meisten der Frauen dann in Konstantinopel an Freudenhäuser verkauft. Der Türke zeige sich in europäischen Städten nach außen hin korrekt, daheim aber sei er nur ein wildes Tier. Dazu komme sein fanatischer Mohammedanismus, der ihn glauben lasse, es sei eine gute Tat, wenn er alle Christen niedermache, die ihm in den Weg kommen. Einen vollkommenen Kontrast hiergegen bilde das Auftreten der Russen, die Armenier und Mohammedaner besonders human behandelten. Die einzige Hoffnung der Armenier sei noch das deutsche Volk. Die Scheußlichkeiten, die bisher geschehen seien, hätten sich mit Wissen der Deutschen Regierung abgespielt. Aber die deutsche Nation wisse sicher nichts von alledem. Briefe von deutschen Missionaren, die die Grausamkeiten mit erregten Worten schilderten, seien in die Hände der Zensur gefallen und deshalb nicht angekommen. Deutschland könne doch wohl nicht seine Zustimmung dazu geben, daß das kleine Volk der Armenier auf die empörendste Weise von Mohammedanern vernichtet werde. Wenn es den Anspruch darauf erhebe, zur christlichen und civilisierten Welt zu gehören, müsse es den Armeniern helfen.

Lucius



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