1915-03-26-DE-003
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon/168
Zentraljournal: 1915-A-10339
Botschaftsjournal: A53a/1915/1999
Erste Internetveröffentlichung: 2003 April
Edition: Genozid 1915/16
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 250
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Unterstaatssekretär des Auswärtigen Amts (Zimmermann) an den Botschafter in Konstantinopel (Wangenheim)

Erlaß



Nr. 250
Berlin, den 26. März 1915

Auf den Bericht Nr. 126 vom 5. d.M.

Herr Mosel hat dem Auswärtigen Amt die zu Euerer Exzellenz gefälligen Kenntnisnahme abschriftlich beigefügte Aufzeichnung über die armenische Bewegung überreicht.


Zimmermann


Anlage

Abschrift A 10339

Die armenische Bewegung.

Die Haltung der armenischen Bevölkerung sowohl innerhalb der türkischen Grenzen, wie auch im Kaukasus selbst, ist mit ganz geringen Ausnahmen durchaus russenfreundlich. In Kaukasien selbst ist fast die gesamte armenische Bevölkerung von den Russen bewaffnet und bildet das freiwillige Corps der kaukasisch-russischen Armee. Man schätzt die Zahl der armenischen Freiwilligen auf ca. 30000 Mann und gehören zu diesen auch viele aus der Türkei und vor Kriegsausbruch geflüchtete Armenier. Auch in der aktiven russischen Armee stehen viele armenische Deserteure und finden sich solche selbst in Siwas internierten russischen Gefangenen. Ich habe auf meiner Reise von der russischen Grenze bis Konstantinopel in den von Armeniern bewohnten Gebieten fast täglich Transporte von gefesselten Armeniern getroffen, die von der türkischen Behörde eingefangen waren, weil sie sich dem Kriegsdienst zu entziehen suchten. Es ist auch erwiesen, daß die otttomanischen Armenier auf türkischem Boden Banden bilden, für die russische Armee Spionagedienste leisten und sich zu terroristischen Taten hinreißen lassen. So wurde die Post zwischen Ziwas und Erserum in letzter Zeit mehrmals von stärkeren armenischen Banden überfallen und größerer Geldmittel beraubt. Auch kamen in mehreren Ortschaften Bombenattentate vor. Nach meiner Ansicht ist die gesamte armenische Bevölkerung auf ottomanischem Boden organisiert und wartet nur auf Erfolge, resp. Vorrückung der Russen, um sich dann gegen die türkische Herrschaft zu erheben. Die Leitung der armenischen Bewegung liegt in den Händen der bekannten armenischen Partei Daschakzütüm, welche anscheinend über reiche Geldmittel, Waffen, Munition und Bomben verfügt. Der Zar hat den Armeniern bei glücklichem Ausgang des Krieges eine absolute Autonomie versprochen, und halte ich jeden Versuch, die Armenier heute noch durch Versprechungen oder Geldmittel zu einem Gesinnungswechsel umzustimmen, für ausgeschlossen. Im Kaukasus steht wie von jeher die christliche und mohammedanisch-georgische Bevölkerung Armeniern feindlich gegenüber und dürfte auch hier eine Einigung der Parteien ausgeschlossen sein. Die Stimmung der mohammedanischen Bevölkerung in der Türkei gegen die Armenier ist eine äußerst erregte und kann es nur der strengen Anordnung der türkischen Regierung zu verdanken sein, wenn das von der Bevölkerung geplante Massacre noch nicht eingesetzt hat.

[L. Mosel]



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