1914-07-30-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14085
Zentraljournal: 1914-A-18257
Erste Internetveröffentlichung: 2000 März
Edition: Genozid 1915/16
Praesentatsdatum: 08/21/1914 a.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 80/J. Nr. Geh. 36
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/27/2012


Der Konsul in Trapezunt (Bergfeld) an den Reichskanzler (Bethmann Hollweg)

Bericht



Nr. 80 / J. Nr. Geh. 36
Trapezunt, den 30. Juli 1914

Euerer Exzellenz beehre ich mich gehorsamst zu berichten, dass in Kurdistan ein neuer Aufstand ausgebrochen ist. Bei der Entfernung und den schlechten Verbindungen sind nicht alle Einzelheiten bekannt. Indessen scheint die Bewegung diesmal in grösserem Umfang eingesetzt zu haben. Das Zentrum liegt in Bitlis und der Hochburg des Kurdentums, Dersim. Es verlautet, dass ein türkischer Oberst und einige Gensdarmen von den Kurden gefangen genommen und gehängt worden sind. Auch sollen die Aufständischen die Armenier dahin verständigt haben, dass diejenigen, welche flüchtigen Kurden keine Unterkunft gewährten, getötet werden würden.

Während der kurdischen Unruhen im Frühling dieses Jahres hatten die Kurden den Armeniern ihr Leben und Eigentum garantiert. Wenn sie jetzt ihnen gegenüber eine abweichende Haltung einnehmen, so deutet das wohl darauf hin, dass der Zweck der Bewegung ein anderer ist. Früher schien es nur darauf abgesehen, der türkischen Regierung Schwierigkeiten zu bereiten. Diesmal beabsichtigt man vielleicht eine Intervention Russlands zu veranlassen. In wieweit der russische Rubel wieder die Bewegung entfacht hat, lässt sich von hieraus nicht ermitteln.

Vor einigen Tagen hat der hiesige russische Konsul sich plötzlich in's Innere begeben. Es verlautet, dass er die griechischen Klöster besucht. Der hiesige Metropolit ist ihm nach zwei Tagen gefolgt. Er wurde begleitet von einem Russen, der hier bereits eine Woche bei ihm wohnt und sich als Gelehrter ausgibt. Dass der russische Kollege in einem Zeitpunkt, wo die europäische Lage von hier aus sehr wenig geklärt erscheint, seinen für Russland wichtigen Posten verlässt, um sich Tage weit in das Innere zu begeben, erscheint auffallend.

Der Kaiserlichen Botschaft in Konstantinopel habe ich telegraphisch berichtet, ihr auch Abschrift dieses Berichts eingesandt.


Bergfeld


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