1915-12-03-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14089
Zentraljournal: 1915-A-35310
Erste Internetveröffentlichung: 2003 April
Edition: Genozid 1915/16
Praesentatsdatum: 12/06/1915 p.m.
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Direktor des Deutschen Hülfsbundes für christliches Liebeswerk im Orient Friedrich Schuchardt an das Auswärtige Amt

Schreiben



Zwei Bericht, die mir durch Schwestern, welche aus dem Innern Kleinasiens zurückkehrten, übergeben wurden, habe ich mir erlaubt, Ihnen durch die Botschaft direkt zuzuschicken. Kopien davon sind der Kaiserlichen Botschaft bereits zu den Akten gegeben worden.
Eine erschütternde Nachricht erhielt ich noch am letzten Tag meiner Anwesenheit in Konstantinopel, die in besonderer Weise das Vorgehen der türkischen Regierung kennzeichnet. Ein amerikanischer Missionar brachte ein Schriftstück mit, das seitens der Zentralbehörde an die Lokalbehörden im Innern des Landes verschickt wurde. In demselben wird die letztgenannte Behörde aufgefordert, darauf hinzuwirken, dass der noch vorhandene Teil der armenischen Bevölkerung ein Schriftstück unterzeichne, in dem er um die grosse Gnade bittet, zum Islam übertreten zu dürfen. Die sich Weigernden sollen nach der seitherigen Praxis in der Verbannung dem sicheren Tod entgegengeführt werden.

Dieses Vorgehen erinnert lebhaft an die Massnahmen, die die türkische Behörde in den grossen Massakres vor 20 Jahren angewandt hat und widerspricht in jeder Weise der Antwort, die Seine Exzellenz, der Reichskanzler auf eine Eingabe der Vertreter der Evangelischen Kirche, der theologischen Wissenschaft und der Mission erteilt hat.

Die Kaiserlich Deutsche Botschaft kann durch die Vermittlung der amerikanischen Mission in Stanbul ( [unleserlich] ) näheres leicht in Erfahrung bringen.

Ich möchte bei dieser Gelegenheit auch nicht verfehlen darauf hinzuweisen, dass unsere Anstalten nach wie vor den tatkräftigen Schutz unserer Regierung geniessen werden, und dass der türkischen Regierung nicht gestattet wird, in irgend einer Form die Arbeit in denselben zu stören.


Mit vorzüglicher Hochachtung
ergebens
F. Schuchardt


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