1918-08-02-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14103
Zentraljournal: 1918-A-32731
Erste Internetveröffentlichung: 2000 März
Edition: Kaukasus Kampagne
Praesentatsdatum: 08/03/1918 p.m.
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Bevollmächtigte der armenische Regierung in Berlin (Ohandjanian) an das Auswärtige Amt

Schreiben



Berlin, den 2. August 1918

Wir erlauben uns, in der Anlage Auszüge aus den Briefen unserer Delegation in Konstantinopel zur gütigen Kenntnisnahme zu überreichen. Sie konstatieren eine weitere Verschlimmerung der Lage der armenischen Flüchtlinge, die äusserste Gefährdung ihrer Existenz und eine bedenkliche Zunahme der blutigen Gewalttätigkeiten der türkischen Truppen und tatarischen Banden. Angesichts dieser verhängnisvollen Entwicklung, die uns mit der tiefsten Sorge um unsere Nation erfüllt, bitten wir, unsere dringende Bitte um baldige Hilfe wiederholen zu dürfen.

Die Bevollmächtigten der armenische Regierung
Dr. H. Ohandjanian.
Anlage

Die letzten Nachrichten über die Lage in Kaukasisch-Armenien.

Aus dem Brief des Vorsitzenden des armenischen Nationalrates, Herrn Aharonian, vom 20. Juli.


"... Sie können sich dort keine Vorstellung davon machen, welchen ungeheuren Masstab die Flucht unserer Nation angenommen hat, und wie furchtbar das daraus entspringende Elend ist. Von Eriwan bis Dilidjan und Neubayazid sind die Strassen ein einziges Meer von armenischen Flüchtlingen. Die Heeresstrasse zwischen Tiflis und Wladikawkas ist bedeckt von flüchtenden Armeniern ... Die 80000 Armenier von Achalkalak sind in den Schluchten von Bakuriani zusammengedrängt, ausgesetzt den amtlichen und nichtamtlichen Feindseligkeiten der fremden Ortsobrigkeiten. Die Täler von Karakilissa sind gefüllt mit Flüchtlingen. Dort befinden sich alle armenischen Einwohner von den Bezirken Kars und Alexandropol. Tataren aus Kasach und Bortschalu haben, ermutigt durch die Gegenwart der türkischen Truppen, unmenschliche Metzeleien gegen sie verübt. So haben sie allein im Bezirk Karakilissa 2000 Armenier ermordet. Auf der Station Aschaghaserail wurden armenische Waisen, die mehrere Waggons füllten, mit ihren Lehrerinnen niedergemetzelt. Überhaupt ist die Eisenbahnlinie von Karakilissa bis Tiflis das "Schlachthaus" unserer Nation geworden ... Die Schar der Flüchtlinge, die an Zahl eine halbe Million übersteigt, schwindet in Not und Elend dahin, täglich und stündlich ... Wenn nicht sehr bald unser Gebiet bis zur Brester Grenze geräumt wird, ist unser Volk verloren ..."

Aus dem Brief des Ministers des Auswärtigen, Herrn Chatissian, vom 20./23. Juli.

"...Auf unsere Note, betreffend die Frage der Flüchtlinge, hat die türkische Regierung noch nicht geantwortet, obgleich sie versprochen hatte, die Angelegenheit binnen drei Tagen zu prüfen ... Die türkischen Truppen verhalten sich sehr unkorrekt und begingen selbst Metzeleien in Karaklissa, Lori, Nucha, im Bezirk Achalkalak usw. ... Unsere Flüchtlinge gehen aus Lori über die Berge nach Dilidjan und von dort nach Neu-Bayazid und Eriwan. Die Türken führen die Tataren aus Kasach in den Bezirk von Kars über, um sie in den Ortschaften der geflüchteten Armenier anzusiedeln ... "

Aus dem Briefe des Sekretärs der armenischen Delegation in Konstantinopel, Herrn Kotscharian, vom 20. Juli.

" ... Der Verkehr ist noch nicht wiederhergestellt, weder nach Baku, noch nach Eriwan ... Es bestätigt sich, dass viele Armenier aus der Ebene Schirak festgenommen und nach der Türkei verschleppt worden sind. In Elisawetpol sind die Armenier von den Türken ihrer Waffen beraubt worden ... Die armenischen Flüchtlinge aus den Tälern von Lori haben sich nach Kasach und andere Gegenden zerstreut. Die Heeresstrasse nach Wladikawkas ist endgültig versperrt ... Die Flüchtlinge aus Achalkalak sind noch nicht zurückgekehrt, Räuberbanden treiben in diesem Bezirk ihr Unwesen ... Die Zahl der armenischen Flüchtlinge allein aus unserem beschränkten Gebiet beläuft sich auf über 600000. Hunger und Epidemien herrschen unter ihnen und nehmen tagtäglich an Umfang zu ... Die Armenier entfernen ihre Familien aus der Stadt Baku ... "



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