1916-08-24-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14093
Zentraljournal: 1916-A-22637
Erste Internetveröffentlichung: 2003 April
Edition: Genozid 1915/16
Praesentatsdatum: 08/25/1916 a.m.
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Johannes Lepsius an das Auswärtige Amt

Privatschreiben



Potsdam, den 24. August 1916.
Von den Beträgen, welche ich für die notleidenden deportierten Armenier der Türkei zu überweisen habe, gehen auf dem üblichen Bankwege durch den ungünstigen Coursstand verhältnissmässig sehr hohe Beträge verloren welche den Notleidenden zu gut kommen sollten.

Ich erlaube mir die Anfrage, ob es keinen Weg giebt, auf dem man grössere Summen an Reichs-deutsche in der Türkei (Urfa, Aleppo, Konia) oder an Deutsche Konsuln für die Notleidenden überweisen könnte. Ich wäre dem Auswärtigen Amt für freundwillige Mitteilung sehr dankbar.

Ergebenst


[Dr. Johannes Lepsius]

[Antwort Auswärtiges Amt 28.8.]


Auf das gfl. Schreiben vom 24. d.Mts., betr. die Kursverluste bei Geldüberweisungen nach der Türkei, darf ich erg. erwidern, dass der Reichsfiskus bei Zahlungen in der Türkei unter dem gleichen Uebelstand zu leiden hat, der bekanntlich durch den Mangel an türkischen Geldzeichen verursacht ist. Wenn auch bisher alle unsere Versuche, hierin Abhülfe zu schaffen, vergeblich waren, so ist doch zu hoffen, dass in einigen Wochen eine Besserung der Kursverhältnisse eintritt. Sollte dies wider Erwarten nicht der Fall sein, so stelle ich Ew. pp. erg. anheim, etwa Anfang Oktober auf die Angelegenheit zurückzukommen und dabei gleichzeitig anzugeben, um welche Summen es sich ungefähr handelt, damit die Frage im Benehmen mit den zuständigen Finanzstellen geprüft werden kann.


[Auswärtiges Amt an den Direktor der Berliner Missionsgesellschaft Karl Axenfeld 2.9.]

Im Anschluss an die heutige mündliche Besprechung darf ich Ew. pp. anbei erg. Abschrift des mit Herrn Dr. Lepsius gepflogenen Schriftwechsels zur gfl. vertraul. Kenntnisnahme übersenden.

[Notiz Auswärtiges Amt 2.9.]

G.A.


Herr Axenfeld und Pastor Lic. Mumm M.D.R. erschienen heute im AA. und baten, dass auch den hinter ihnen stehenden Armenierfreunden s.Zt. Gelegenheit gegeben werden möchte, ihre Wünsche wegen Ueberweisung von Geld für die Armenier zur Sprache zu bringen, falls bis Anfang Oktober eine wesentliche Besserung in den Kursverhältnissen nicht eingetreten sei. Dies wurde ihnen zugesagt.

Ferner fragte Herr Mumm, ob es nicht möglich sei, aus dem geheimen Fonds des AA.‘s einen Betrag für die jetzt betriebene Sammlung zu Gunsten der Armenier zu bewilligen. Herrn Mumm wurde erwidert, dass seine Bitte S.E. dem H. U.St.S. [Herrn Unterstaatssekretär] nach Rückkehr vorgetragen werden würde, dass indessen Gewährung der Bitte wohl kaum möglich sein werde.

Schliesslich bat Herr Mumm, das AA. möge die Sammlung für die Armenier bei dafür geeigneten Persönlichkeiten durch eine Empfehlung unterstützen.



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