1917-06-15-DE-002
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Quelle: DE/PA-AA/R14096
Zentraljournal: 1917-A-20415
Erste Internetveröffentlichung: 2003 April
Edition: Genozid 1915/16
Praesentatsdatum: 06/22/1917 p.m.
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Direktor des Deutschen Hülfsbundes für christliches Liebeswerk im Orient Friedrich Schuchardt an den Legationsrat im Auswärtigen Amt Rosenberg

Schreiben



Frankfurt a. Main, 15. Juni 1917.

Sehr verehrter Herr von Rosenberg,

wieder komme ich mit einer Bitte zu Ihnen. Unser Jahresbericht für 1916 wurde von der hiesigen Presse-Abteilung des Generalkommandos an das Kolonialamt nach Berlin geschickt, und von dort aus an das Auswärtige Amt weitergegeben. Von letzterem wird nun hier bei der Presse-Abteilung angefragt, ob ich in nächster Zeit nach Berlin käme. Augenblicklich liegt kein Grund zu einer Reise nach dort vor, es wäre mir aber sehr lieb, wenn unser Jahresbericht nun endlich zum Druck kommen könnte. Der Presse-Abteilung habe ich mitgeteilt, dass wir bereit seien, notwenig erscheinende Aenderungen oder Weglassungen vorzunehmen. Bedauern würde ich es natürlich, wenn es solche Stellen wären, die von unserm Liebesdienst an unseren deutschen Feldgrauen in Kleinasien handeln.

Das Schreiben des Auswärtigen Amtes an die Presse-Abteilung sei Walter unterzeichnet gewesen.

Würden Sie bitte die Güte haben, mit dem betreffenden Herrn zu sprechen, damit die Angelegenheit beschleunigt wird. Dass es uns fern liegt, irgend etwas zu tun, was unseren Behörden Schwierigkeiten macht, ist Ihnen ja bekannt.

Mit warmem Dank auch für diesen Liebesdienst und ergebenen Gruß Ihr


F. Schuchardt


[Antwort Auswärtiges Amt 24.6.]

Sehr geehrter Herr Schuchardt.

Auf Ihren Brief an Herrn v. Rosenberg vom 15. Juni teile ich Ihnen ergebenst mit, daß unsere Bedenken gegen den Jahresbericht sich nicht auf die Stellen über Ihre Arbeit für die deutschen Soldaten in der Türkei beziehen. Wegen dieser Abschnitte muß der Bericht noch der Militärzensur vorgelegt werden, ich glaube aber nicht, daß sie Einwendungen erheben wird.

Die Streichungen, die ich Ihnen vorschlagen möchte, sind in dem Korrekturexemplar, das ich Ihnen unter Rückerbittung hiermit schicke, rot angedeutet.1 Bitte erschrecken Sie nicht darüber; es sieht in Rot schlimmer aus, als es ist. Sie werden sehen, daß mich bei meinen Vorschlägen Ihr eigenstes Interesse geleitet hat. Ich halte es im Interesse des Hülfsbundes und unserer anderen deutschen Liebeswerke in der Türkei für geboten, in solchen Veröffentlichungen alles zu vermeiden, was die türkische Regierung gegen sie verstimmen würde. Dass Ihre Veröffentlichungen, wenn sie für die türk. Reg. unerfreulich sind, auf die eine oder andere Weise zu ihrer Kenntnis kommen, scheint mir sicher.

Mit dem Ausdruck der vorzüglichen Hochachtung und mit bestem Gruß auch von Herrn v. Rosenberg ganz ergebenst


G[öppert]



1Befindet sich nicht bei den Akten.



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