1915-11-21-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14089
Zentraljournal: 1915-A-34577
Erste Internetveröffentlichung: 2003 April
Edition: Genozid 1915/16
Praesentatsdatum: 11/29/1915 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: NR. 686
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Geschäftsträger der Botschaft Konstantinopel (Neurath) an den Reichskanzler (Bethmann Hollweg)

Bericht



Nr. 686

Pera, den 21. November 1915

Abschrift

2 Anl. 1

Der in Beirut residierende Syrische Patriarch von Antiochien, Oberhaupt der mit Rom unierten Katholischen Syrer, hat dem Kaiserlichen Konsul von Mutius die in der Anlage beigefügten Schreiben an den Erzbischof von Köln und an den päpstlichen Nuntius in München mit der Bitte übergeben, sie ihrer Bestimmung zuzuführen. Zweck dieser Schreiben ist, durch Vermittlung der gedachten Persönlichkeiten die Kaiserliche Regierung zu veranlassen, ihn, den Patriarchen, seinen Klerus und seine Gemeinde dem Wohlwollen der Hohen Pforte zu empfehlen, nachdem die katholischen Syrer während der Armenierverfolgungen in Kleinasien und Mesopotamien, obwohl sie weder nach Rasse und Glauben noch auch nach ihrer politischen Gesinnung irgend welche Gemeinschaft mit den Armeniern haben, vielfach schwer in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Weiter hat der Bittsteller Herrn von Mutius gegenüber angeführt, daß er seit Jahren mit den Kreisen der hohen katholischen Geistlichkeit in Deutschland und deutschen Orientalisten die besten Beziehungen unterhalten habe und von jeher ein Freund und Bewunderer deutscher Wissenschaft gewesen sei. Wie Herr von Mutius dazu bemerkt, dürften die Angaben des Patriarchen über seine Beziehungen zu deutschen Kreisen zutreffen, auch habe er sich früher zwar nicht als Deutschenfreund, aber auch nicht, wie andere dortige christliche Würdenträger, als ausgesprochener Anhänger Frankreichs hervorgetan. Im übrigen hat Herr von Mutius dem Patriarchen gesagt, daß er ihm keine Aussicht auf die erbetene Verwendung eröffnen könne.

Auch ich halte eine weitere Verwendung von unserer Seite für unangebracht, ja sogar schädlich für die betreffenden Interessenten, nachdem die bisherigen wiederholten Vorstellungen der Kaiserlichen Botschaft bei der Pforte zu Gunsten der nichtarmenischen, speziell syrischen, Christen nur wenig Eindruck gemacht haben, und die Pforte in jüngster Zeit empfindlicher denn je gegen solche Schritte geworden ist, die sie als Einmischung in ihre innere Politik betrachtet. Ich darf daher anheimstellen, die vom Patriarchen angerufenen Prälaten in diesem Sinne zu bescheiden, falls sie sich an das Auswärtige Amt wenden sollten.


[Neurath]


1 Befinden sich nicht in den Akten.



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