1909-04-19-DE-002
Deutsch :: de
Home: www.armenocide.net
Link: http://www.armenocide.net/armenocide/armgende.nsf/$$AllDocs/1909-04-19-DE-002
Quelle: DE/PA-AA/R 13184
Zentraljournal: 1909-A-07616
Erste Internetveröffentlichung: 2009 April
Edition: Adana 1909
Praesentatsdatum: 04/30/1909 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: J.No. 322/K.No. 37
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Generalkonsul in Aleppo (Tischendorf) an den Reichskanzler (Bülow)

Bericht



J.No. 322 / K.No. 37
Euerer Durchlaucht beehre ich mich im Anschluß an die gehorsamen Berichte vom 17. d. Mts (K.No.34 und 36) betreffend des Ausbruchs von Unruhen bei Alexandrette gehorsamst zu berichten, daß die insbesondere gegen die Armenier gerichtete Bewegung eines Teils der moslemischen Bevölkerung weiter um sich zu greifen scheint, und den hier zirkulierenden freilich meist unkontrollierbaren Gerüchten zufolge auch an einigen Plätzen des Vilayets Aleppo wie in der Gegend von Aintab und Marasch Unruhen ausgebrochen sein sollen. Was Marasch betrifft, so werden diese Gerüchte bestätigt durch ein mir am 17. d. Mts. Nachmittags um ½ 3 Uhr von dort an das Kaiserliche Konsulat abgesandtes des Arztes und jetzigen Vorstehers der Anstalten des Deutschen Hülfsbundes für christliches Liebeswerk im Orient in Maraschs, Dr. Müllerleile, wonach bis zu dem angegebenen Zeitpunkte bereits 13 schwerverwundete Armenier und einige Getötete nach dem deutschen Krankenhaus gebracht worden waren.

Ich habe den Inhalt dieses in türkischer Sprache abgefaßten Telegramms sowohl das in der Anlage beigefügte Telegramm vom 18. d. Mts des Kaiserlichen Vizekonsuls in Alexandrette sofort zur Kenntnis des Valis gebracht und energische Maßnahmen zum Schutz der deutschen Anstalten in Marasch verlangt. Der Vali hat erklärt, daß alles Nötige getan werde, erklärte aber die Nachrichten bezüglich der [Wort nicht entziffert], welche von den Armeniern ausgingen, für übertrieben. Im übrigen verfüge die Regierung über genügend Machtmittel zur Aufrechterhaltung der Ordnung.

Daß tatsächlich die Regierung hier über genügend Machtmittel verfüge, wird freilich bezweifelt, insbesondere ist die Stadt Aleppo von Truppen, über deren Zahl Sicheres nicht zu erfahren ist, fast entblößt, von denen noch vor einigen Tagen ein Teil nach dem Hauran gegen aufständische Drusen von hier abgesandt und durch in der Umgegend einberufene Redifs ersetzt wurde. Die Bevölkerung ist aufgeregt, verhält sich aber bisher ruhig; die Armenier, deren Zahl in den letzten Jahren konstant zugenommen hat und von ihnen selbst auf 20 bis 25000 - wahrscheinlich viel zu hoch - geschätzt wird, sollen große Vorräte an Waffen besitzen und zur Abwehr gegen eventuelle Angriffe gerüstet sein.


Tischendorf
[Anlage]

Abschrift eines Telegramms des Kaiserlichen Vizekonsuls in Alexandrette vom 18. April 1909.

Situation village Dortyol devient plus critique cause augmentation nombre assaillants par renforts Kurdes et Circassiens bandes montagnards Kurdes Circassiens signalés environs Alexandrette où fermes arméniennes continuent être saccagées craintes invasion Alexandrette par ces bandes deviennent très fondées; grande panique règne ici; autorités disposent pas forces suffisantes pour protéger ville cas invasion; population affolée passa nuit dernière dans Consulats église et dans barques, nombreuses familles prirent fuite pour Chypres.


[Belfante]



Copyright © 1995-2018 Wolfgang & Sigrid Gust (Ed.): www.armenocide.net A Documentation of the Armenian Genocide in World War I. All rights reserved