1915-10-13-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14088
Zentraljournal: 1915-A-29776
Erste Internetveröffentlichung: 2000 März
Edition: Genozid 1915/16
Telegramm-Abgang: 10/13/1915 04:10 PM
Telegramm-Ankunft: 10/14/1915 07:15 PM
Praesentatsdatum: 10/14/1915 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 2339
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Botschafter in Konstantinopel (Wangenheim) an das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht



Nr. 2339
Pera, den 13. Oktober 1915

Seine Heiligkeit der Papst hat an den Sultan ein Handschreiben gerichtet, in welchem er dessen Mitleid für die verfolgten Armenier in Anspruch nimmt. Monsignore Dolci war von der Kurie beauftragt, das Handschreiben dem Sultan in besonderer Audienz zu übergeben. Die Bemühungen Dolcis hatten leider keinen Erfolg, da die Pforte in der päpstlichen Kundgebung eine Kritik ihrer eigenen Politik erblickte und den Standpunkt einnahm, daß, solange die diplomatischen Beziehungen nicht hergestellt seien, der päpstliche Delegierte nicht offiziell vom Sultan empfangen werden könnte. Auf Bitte Dolcis habe ich dem Großwesir vorgestellt, daß gerade das päpstliche Handschreiben der Pforte Gelegenheit biete, in ihrer Antwort den türkischen Standpunkt zu der Armenierfrage klar darzulegen und damit gegnerischen Verleumdungen und Übertreibungen entgegenzutreten. Der offizielle Empfang des Delegierten durch den Sultan werde überall den Eindruck hervorrufen, als ob die diplomatischen Beziehungen hergestellt seien oder im Begriff ständen hergestellt zu werden.

Der Großwesir ließ sich überzeugen und stellte Audienz für Dolci in Aussicht.


[Wangenheim]


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