1916-06-06-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14092; BoKon172
Zentraljournal: 1916-A-14967
Erste Internetveröffentlichung: 2003 April
Edition: Genozid 1915/16
Praesentatsdatum: 06/07/1916 p.m.
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Vorsitzende der Deutsch-Armenischen Gesellschaft Johannes Lepsius an den Unterstaatssekretär des Auswärtigen Amts (Zimmermann)

Privatschreiben



Potsdam, den 6. Juni 1916.

Euer Excellenz

Schreiben vom 22. April haben wir mit ergebenstem Dank empfangen. Am Anschluss an unser Schreiben vom 17. d.M. bitten wir Sie noch, den folgenden Mitteilungen, die uns soeben über Bukarest zugegangen sind, Ihre Aufmerksamkeit zu schenken.

Laut Telegramm vom 31. Mai sind in Konstantinopel neun armenische Führer zum Tode verurteilt worden. Es wird dringend gebeten, für dieselben zu intervenieren. Aknuni und die Führer der Daschnakzagan sind in der Tat, wie es scheint, nicht nach Konstantinopel gebracht worden. Dagegen fürchtet man, dass sie in den Gefängnissen an ihren Verbannungsorten ermordet wurden. Unter den russischen Armeniern, die am 27. Mai in Petersburg einen öffentlichen Kongress abhielten, herrscht grosse Aufregung wegen des Schicksals dieser Führer.

Es liegt unseres Erachtens trotz der begreiflichen Bedenken des Botschafters im Interesse der Türkei, falls das Gerücht von der Ermordung der Führer unbegründet sein sollte, wenigstens festzustellen, dass Aknuni und Genossen noch am Leben sind, und dadurch die Wutanfälle der russischen Armenier zu besänftigen.


Der Vorstand der Deutsch-Armenischen Gesellschaft
Dr. Johannes Lepsius
[Antwort Zimmermann an Lepsius 12.6.]

Der - tit - darf ich dem Empfang des gefl. Schreibens vom 6. d.M., betr. das Schicksal der armenischen Führer erg. bestätigen. Das Schreiben wird zur Kenntnis des Kais. Botschafters in Konstantinopel gebracht werden.

[Notiz Rosenberg]
Von Schritten bezw. Erkundigungen an amtlicher Stelle wird wohl abgeraten werden müssen, da Agnuni und seine Genossen vermutlich nicht mehr am Leben sind. Die Auskunft des armenischen Patriarchates über die wahrscheinliche Ermordung ist der Deutsch-Armenischen Gesellschaft noch nicht bekannt, da ihr der dortige Bericht No. 147 vom 2. April nur auszugsweise mitgeteilt worden ist.


[Zimmermann an Metternich 12.6. (Nr. 535)]

Im Anschluß an den Erlaß Nr. 354 vom 22. April.

Zur gefl. Kenntnisnahme mit dem Anheimstellen einer Äusserung erg. uebersandt.

Nach dem Bericht Nr. 147 vom 2. April d.J., der, wie Ew. pp. bekannt, der Deutsch-Armenischen Gesellschaft nur auszugsweise mitgeteilt worden ist, besteht wenig Hoffnung, daß Agnuni und Genossen noch am Leben sind. Von Schritten bei der Pforte wird daher wohl abzuraten sein.


[Notiz Mordtmann 22.6.]


Wegen des Punktes 1) (angebliche Verurteilung von 9 Führern hier in Kstpl [Konstantinopel]) hatte ich noch keine Gelegenheit mich mit dem Patriarchat in Verbindung zu setzen.

[Wolff-Metternich an Konsulat Aleppo (No. 90) 23.6.]


Die Deutsch-Armenische Gesellschaft in Potsdam hat neuerdings dringend gebeten das Schicksal des Aknuni und anderer Führer der Partei Daschnakzutiun festzustellen die vor etwa Jahresfrist über Aleppo nach Diarbekir geschafft werden sollten, angeblich um in Diarbekir abgeurteilt zu werden; seit ihrer Abfahrt von Aleppo liegen keine sicheren Nachrichten über ihren Verbleib vor. Bitte Erkundigungen in Diarbekir in unauffälliger Weise einzuziehen falls sichere Gelegenheit sich bietet, und Ergebnis kurz drahten.


[Antwort Rößler (No. 115) 26.6.]

Antw. auf Tel. No. 90.

Nach dem was sich in hiesiger Gegend in den letzten 12 Monaten abgespielt, habe ich nicht den geringsten Zweifel, dass die fraglichen Personen zwischen Aleppo und Diarbekir umgekommen sind. Unauffällige Erkundigungen in Diarbekir sind zur Zeit unmöglich; sie werden indessen versucht werden sobald als sich eine sichere Gelegenheit bietet.


[Wolff-Metternich an Zimmermann (Nr. 387) 15.7.]

Auf den Erlaß vom 12. Juli Nr. 535.

Auf dem armenischen Patriarchat ist nichts davon bekannt, daß um die angegebene Zeit armenische Führer hier zum Tode verurteilt worden seien. Allerdings sind letzthin wiederholt Armenier, Griechen und Mohammedaner wegen Fahnenflucht zum Tode verurteilt und hingerichtet worden; ferner sind vor einiger Zeit mehrere armenische Notabeln verhaftet worden, weil sie angeblich auf unerlaubtem Wege Korrespondenzen mit ihren im feindlichen Auslande befindlichen Angehörigen unterhalten haben, doch ist bisher keine Verurteilung erfolgt. Möglicherweise liegt eine Verwechselung mit diesen Vorfällen vor.

Wegen Agnuni und Genossen habe ich den Kaiserlichen Konsul in Aleppo ersucht, sobald eine sichere Gelegenheit sich bietet, Erkundigungen in Diarbekir einzuziehen. In seiner vorläufigen Antwort bemerkt Herr Roessler, er habe persönlich keinen Zweifel daran, daß die fraglichen Personen auf der Reise von Aleppo nach Diarbekir umgekommen seien.[letzter Satz von Metternich gestrichen]



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