1916-10-10-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14093
Zentraljournal: 1916-A-27532
Erste Internetveröffentlichung: 2003 April
Edition: Genozid 1915/16
Praesentatsdatum: 10/10/1916 p.m.
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Das Auswärtige Amt (Schmidt-Dargitz) an den Stellvertretenden Generalstab der Armee

Personalakte



Berlin, den 10. Oktober 1916.

Abschrift.

IIIb 35661. 172895.

Auf das nebst 1 Anlage (Lichtbild) wiederbeigefügte Schreiben IIIb Nr. 27296 A 5a geh.

Der russische Armenier Rechtsanwalt Dr. Liparit Nasariantz wurde beim Auswärtigen Amte zuerst durch Dr. Johannes Lepsius in Potsdam mit einem Schreiben vom 14. März 1914 eingeführt; darin bezeichnete Lepsius den Nasariantz als einen ihm bekannten Journalisten, der ständiger Mitarbeiter der russischen politischen Presse sei und für den ”Rjetsch” Informationen haben möchte, um im Sinne guter Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland zu wirken. Nach Ausbruch des Krieges wurde Nasariantz von der von Lepsius geleiteten Deutsch-Armenischen Gesellschaft in Potsdam, Gr. Weinmeisterstraße 45, nach Constantinopel gesandt, um auf das armenische Patriarchat, die Parteileitung der Daschnakzutiun und die leitenden Kreise der Armenier in Constantinopel im Sinne einer Annäherung an die Türkische Regierung zwecks Unterstützung der türkischen Kriegsmaßnahmen einzuwirken. Die Entsendung erfolgte im Einverständnis mit dem Auswärtigen Amte, da Nasariantz, von Dr. Lepsius als zuverlässiger, deutschfreundlich gesinnter und angesehener armenischer Rechtsanwalt, auch als Mitbegründer der Deutsch-Armenischen Gesellschaft, bezeichnet worden war. Nasariantz erhielt für die Reise einen Paß Nr. 2231 des Auswärtigen Amts vom 9. Dezember 1914 auf den Namen Dr. Liparit, damit ihm nicht in der Türkei, wo er unter seinem Zunamen Nasariantz als Russe bekannt war, Schwierigkeiten bei Ausführung seiner Aufgabe erwüchsen.

Als Dr. Liparit ist Nasariantz Anfang Januar 1915 in Constantinopel eingetroffen; er hielt sich dort bis Ende Februar 1915 auf, begab sich dann nach Sofia, kehrte in den ersten Tagen des April nach Constantinopel zurück und reiste am 8. April 1915 von dort wieder, angeblich nach Deutschland, ab. Während des Aufenthalts in Constantinopel stand Nasariantz dauernd mit der Kaiserlichen Botschaft daselbst in Verbindung und berichtete ihr mündlich wie schriftlich eingehend über die armenischen Angelegenheiten. Seine Mitteilungen an die Botschaft konnten durch andere Quellen nachgeprüft werden.

In Constantinopel erhielt Nasariantz von der Botschaft einen Reisepaß Nr. 30 vom 23. II. 15 zur Reise nach Sofia und einen weiteren Paß Nr. 133 vom 3. IV. 15 zur Reise nach Deutschland und zurück, gültig auf 6 Monate. Seine Photographie, die sich ursprünglich auf dem ihm vom Auswärtigen Amt ausgestellten Passe befand, wurde auf den einen der beiden in Constantinopel ausgestellten Pässe übertragen. Mitte Mai 1915 wurde Dr. Liparit in Sofia wiederholt in Gesellschaft von Personen gesehen, die als russische Spione galten.

Die anliegende Photographie stellt den vorgenannten Dr. Liparit Nasariantz dar. Sie zeigt einen Teil des Stempels des Auswärtigen Amtes und ist offenbar ein Nachbild der Photographie, die sich auf dem seinerzeit für Nasariantz ausgestellten Passe des Auswärtigen Amts befand.

Weiteres ist hier über Nasariantz nicht bekannt.


Im Auftrage
gez: Schmidt-Dargitz


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