1917-06-15-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14096
Zentraljournal: 1917-A-19998
Erste Internetveröffentlichung: 2000 März
Edition: Genozid 1915/16
Praesentatsdatum: 06/19/1917 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: No. 335
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Botschafter in außerordentlicher Mission in Konstantinopel (Kühlmann) an den Reichskanzler (Bethmann Hollweg)

Bericht



No. 335
Pera, den 15. Juni 1917

Im Anschluß an Bericht No. 2881 vom 19. v.M.

1 Anlage2

Das American Bible House, das wie in dem nebenbezeichneten Bericht bemerkt, bisher die amerikanischen Hilfsgelder für die Türkei ihrer Bestimmung übermittelte, ist seit Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen der Türkei und Amerika von jeder Verbindung mit den Geldgebern abgeschnitten. Der bisherige Leiter des Bible House Mr. Peet, ist vor einiger Zeit nach der Schweiz abgereist und hat bisher keine Nachrichten hierher gelangen lassen. Inzwischen sind die vorhandenen Fonds fast völlig aufgebraucht und der Betrieb müßte demnächst eingestellt werden, wenn nicht dem Vertreter des Mr. Peet neue Kredite eröffnet werden.

Meines Erachtens haben auch wir ein wesentliches Interesse daran, daß die amerikanischen Geldsendungen nicht unterbrochen werden oder ganz aufhören.

Denn eine Reihe deutscher Wohlfahrtsunternehmen, wie z.B. die mit dem Deutschen Hilfsbunde für christliches Liebeswerk im Orient des Direktors Schuchardt zusammenhängenden Missionen der Schwestern Rohner in Aleppo und Paula Schäfer in Adana, die Waisenhäuser des Pfarrers Ehmann in Harput und des Herrn Dobbeler in Harunije, die Mission des Diakon Künzler in Urfa (Deutsche Orient-Mission) und eine in Samsun unter deutscher Aufsicht eröffnete Suppenküche für rund 1000 Personen arbeiten zum großen Teile mit amerikanischem Gelde. Bleibt dieses in Zukunft aus, so würden voraussichtlich die in Deutschland an den verschiedenen Hilfswerken beteiligten Kreise stärker herangezogen werden und auf diese Weise deutsches Geld ins Ausland wandern, das besser im Inlande für deutsche Zwecke verwendet wird.

Aber auch aus rein menschlichen Gründen erscheint es wünschenswert, daß die bestehenden Wohlfahrtsanstalten weiter geführt werden. Diese sind zwar in erster Linie für die armenischen Notleidenden bestimmt, aber auch die anderen nicht-armenischen und nicht-christlichen Elemente (Griechen und Mohammedaner) partizipieren daran in reichlichem Maße.

Ich glaube daher der Bitte des Mr. L. R. Fowle, der den abwesenden Mr. Peet vertritt, um Beförderung des anliegenden Briefes entsprechen zu sollen. Gegebenenfalls bitte ich die Antwort des Mr. Peet auf gleichem Wege hierher gelangen lassen zu wollen; eine tunlichst baldige Erledigung würde im allseitigen Interesse sein und von den Beteiligten mit besonderem Dank begrüßt werden.


Kühlmann

1 A 16642.
2 Befindet sich nicht bei den Akten.



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