1916-03-18-DE-004
Deutsch :: de
Home: www.armenocide.net
Link: http://www.armenocide.net/armenocide/armgende.nsf/$$AllDocs/1916-03-18-DE-004
Quelle: DE/PA-AA/R 20057
Zentraljournal: 1916-A-7265
Erste Internetveröffentlichung: 2017 Juni
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1915.06-1916.12
Telegramm-Abgang: 03/19/1916 11:55 AM
Praesentatsdatum: 03/18/1916 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 28
Zustand: A
Letzte Änderung: 11/19/2017


Der Staatssekretär des Auswärtigen Amts (Jagow) an den AA-Vertreter im Großen Hauptquartier (Treutler)

Telegraphischer Erlaß


Berlin, den 18. März 1916

Prinz Hohenlohe teilt mir im Auftrage seiner Regierung mit, daß Bulgarien - ganz unabhängig von der Regelung der militärischen Okkupation der serbischen und albanischen Gebiete durch die österreichisch-ungarischen und bulgarischen Truppen - verlange, daß in Prisren, Pristina und Elbassan bulgarische Zivilverwaltung bestehen bleibe, und daß die bulgarische Regierung sich hierbei auf deutsche Unterstützung berufe. Aus gewissen Äußerungen der Sofioter Regierungsstellen werde es immer deutlicher, daß Bulgarien mit Installation der Zivilverwaltung die spätere politische Entscheidung präjudizieren und die genannten Gebiete auch später behalten wolle. Baron Burian wünscht, daß in den besagten Gebieten neben der Militärverwaltung überhaupt keine Zivilverwaltung bestehen soll, um auf diese Weise einem Präjudiz vorzubeugen.

Mit erscheint der Burian’sche Wunsch schon deshalb zweckmäßig, weil bei einer Verständigung über die Okkupationsfrage, die nach den Äußerungen des Prinzen Hohenlohe jetzt durch eine gewisse Teilung zwischen den österreichisch-ungarischen und bulgarischen Truppen erreicht zu werden scheint, das Fortbestehen der bulgarischen Zivilverwaltung an den Orten, wo österreichische Militärs kommandieren, unausbleiblich zu dauernden Reibungen Anlaß geben würde. Da die Österreicher ihrerseits auch keine Zivilverwaltung einrichten, sondern sich lediglich mit der militärischen Okkupation begnügen wollen, können die Bulgaren auch keinerlei Klagen über Benachteiligung erheben. Andererseits würde ein einseitiges Festhalten der Bulgaren an ihrer Zivilverwaltung zweifellos zu einem ernsten Konflikt mit Wien führen der namentlich im jetzigen Augenblick unter allen Umständen vermieden werden muß. Ich habe den Kaiserlichen Gesandten in Sofia angewiesen, im Sinne des österreichischen Wunsches auf Herrn Radoslawow einzuwirken.


[Jagow]



Copyright © 1995-2018 Wolfgang & Sigrid Gust (Ed.): www.armenocide.net A Documentation of the Armenian Genocide in World War I. All rights reserved