1919-03-20-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14105
Zentraljournal: 1919-A-09297
Erste Internetveröffentlichung: 2003 April
Edition: Genozid 1915/16
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


„Berliner Abendzeitung“

Ein stürmischer Vortragabend in der Urania.


Im Wissenschaftlichen Theater der Urania in der Taubenstraße kam es gestern abend gelegentlich eines Vortrags, den Dr. Armin T. Wegner über „Die Austreibung des armenischen Volkes in die Wüste“ auf Einladung der Deutsch-Armenischen Gesellschaft gehalten hat, zu stürmischen Szenen , die zu Prügeleien im Zuschauerraum und auf den Treppen ausarteten. Der Vortragende sprach von den Greueln, denen 2 Millionen Armenier ausgesetzt gewesen seien, welche während des Krieges aus allen Teilen des Landes in die arabische Wüste vertreiben worden wären, angeblich, um Verrat zu verhüten. Obwohl der Redner ausdrücklich betonte, daß nicht das türkische Volk, sondern die Machthaber für diese Greuel verantwortlich seien, erhoben sich bei anwesenden Türken wiederholt Stimmen des Widerspruchs, wurden aber von den im größerer Anzahl anwesenden Armeniern niedergezischt. Minutenlang mußte der Vortrag unterbrochen werden. Nach der in diesem Theater üblichen Pause wurde der zweite Teil des Vortrags in größerer Ruhe angehört; freilich hatte inzwischen auch der herbeigeeilte Direktor der „Urania“ die ärgsten Bilder des Grauens aus der Lichtbilderfolge, die den Vortrag begleitete, entfernt. Der Vortragende behauptete zum Schluß, daß die deutsche Regierung von den türkischen Machthabern belogen worden sei, sonst wäre auch sie an dem schweren Verbrechen, das anderthalb Millionen Armeniern in den Tod getrieben, mitschuldig.


[Anmerkung Göppert]

Herr Wegner hat ein persisches Lichtbild, die Bastonnade darstellend, als Beleg für Folterung der Armenier durch die Türken gezeigt. Er hat auch die alte, von Axenfeld wiederlegte Beschuldigung wiederholt, daß deutsche Offiziere den Rat zur Deportation der Armenier gegeben hätten.


« Berliner Zeitung am Mittag » (20.3.1919)

Türkisch-armenische Konflikts in der Urania


In dem sonst so friedlichen wissenschaftlichen Theater der Urania kam es gestern zu tumultarischen Szenen. Dr. Armin T. Wegner, ein gründlicher Kenner Armenien, hielt einen Lichtbildvortrag über die Austreibung des armenischen Volkes in die Wüste. Ein Türke, der in einer der ersten Reihen saß, störte fortwährend durch Zwischenrufe die Ausführungen des Redners. Er wurde unsanft aus dem Saale entfernt und es trat für kurze Zeit wieder Ruhe ein.

Bald aber gab es bei einem Bilde wieder erregte Zwischenrufe. einige Türken schrieen: Das Bild sei gefälscht und gerieten mit den anwesenden Armeniern in heftige Auseinandersetzungen. Ein Logenbesucher rief in den Saal: Die türkische Kolonie wird sich diese Verleumdung nicht bieten lassen und dazu Stellung nehmen.

Im Parterre kam es zwischen Vertretern der beiden Nationalitäten zu einer regelrechten Prügelei. Nur mit größter Mühe gelang es, die Ruhestörer zu entfernen und den Vortrag zu Ende zu führen. Aber in der Garderobe ging die Schlägerei von neuem wieder los.

Die Streithähne wurden von den Theaterdienern auf die Straße befördert. Aber auch auf der Straße setzten sie die Handgemenge fort. Ein Armenier, der mit dem Revolver herumfuchtelte, wurde Schutzleuten übergeben und abgeführt.


[Ein identischer Artikel der Vossischen Zeitung liegt ebenfalls bei]



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