1916-01-11-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14089
Zentraljournal: 1916-A-00972
Erste Internetveröffentlichung: 2003 April
Edition: Genozid 1915/16
Praesentatsdatum: 01/11/1916 p.m.
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Anfrage des Reichstagsabgeordneten Karl Liebknecht in der 26. Sitzung des Reichstags





Berlin, den 11. Januar 1916
Anfragen Dr. Liebknecht (Sd.)

Nr. 12: Die armenische Bevölkerung in der Türkei (Nr. 187 der Anlagen):

Dr. Liebknecht (Sd.). . . . . . . . . . . 512C, D

Zur Geschäftsordnung . . . . . . . . . 513A

Dr. v. Stumm, Dirigent der politischen Abteilung im Auswärtigen Amt, Kaiserlicher Gesandter . . . . . 512D

.....

Präsident: Wir treten in die Tagesordnung ein. Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bilden Anfragen. Ich rufe auf zunächst die Anfrage Nr. 12 (Nr. 187 der Drucksachen). Zur Verlesung der Anfrage hat das Wort der Herr Abgeordnete Dr. Liebknecht.

Dr. Liebknecht, Abgeordneter:

Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß während des jetzigen Krieges im verbündeten türkischen Reiche die armenische Bevölkerung zu Hunderttausenden aus ihren Wohnsitzen vertrieben und niedergemacht worden ist?

Welche Schritte hat der Herr Reichskanzler bei der verbündeten türkischen Regierung unternommen, um die gebotene Sühne herbeizuführen, die Lage des Restes der armenischen Bevölkerung in der Türkei menschenwürdig zu gestalten und die Wiederholung ähnlicher Greuel zu verhindern?

Präsident: Zur Beantwortung der Anfrage hat das Wort der Dirigent der politischen Abteilung im Auswärtigen Amte, Kaiserliche Gesandte Herr Dr. v. Stumm.

Dr. v. Stumm, Kaiserlicher Gesandter, Dirigent der politischen Abteilung im Auswärtigen Amt, Kommissar des Bundesrats: Dem Herrn Reichskanzler ist bekannt, daß die Pforte vor einiger Zeit, durch aufrührerische Umtriebe unserer Gegner veranlaßt, die armenische Bevölkerung bestimmter Gebietsteile des türkischen Reiches ausgesiedelt und ihr neue Wohnstätten angewiesen hat. Wegen gewisser Rückwirkungen dieser Maßnahmen findet zwischen der deutschen und der türkischen Regierung ein Gedankenaustausch statt. Nähere Einzelheiten können nicht mitgeteilt werden.

(Abgeordneter Dr. Liebknecht: Ich bitte ums Wort zur Ergänzung der Anfrage! - Heiterkeit.)

Präsident: Zur Ergänzung der Anfrage hat das Wort der Herr Abgeordnete Dr. Liebknecht.

Dr. Liebknecht, Abgeordneter:

Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß Professor Lepsius geradezu von einer Ausrottung der türkischen Armenier gesprochen ...

(Glocke des Präsidenten. - Redner versucht weiter zu sprechen. - Rufe: Ruhe! Ruhe!)

Präsident: Herr Abgeordneter, das ist eine neue Anfrage, die ich nicht zulassen kann.

(Abgeordneter Dr. Liebknecht: Herr Präsident, zur Geschäftsordnung!)

-Bitte, zur Geschäftsordnung.

Dr. Liebknecht, Abgeordneter: Ehe der Herr Präsident noch die Anfrage zu Ende gehört hat, wird er nicht in der Lage sein, zu beurteilen, (Heiterkeit) ob es sich um eine neue Anfrage handelt oder nicht. Im übrigen hebe ich hervor, daß der Herr Präsident nicht aus eigenem Antrieb (lebhafte Rufe: Oho!) zu der Auffassung, daß eine neue Anfrage vorliege, gelangte, sondern das ihm aus dem Hause erst zugerufen wurde.

Präsident: Herr Abgeordneter Dr. Liebknecht, diese Kritik meiner Geschäftsführung muß ich mir verbitten. (Lebhaftes Bravo.)



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