1917-05-09-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14096
Zentraljournal: 1917-A-15098
Erste Internetveröffentlichung: 2000 März
Edition: Genozid 1915/16
Praesentatsdatum: 05/09/1917
Zustand: B
Letzte Änderung: 04/22/2012


Aufzeichnung des Staatssekretärs des Auswärtigen Amts (Zimmermann) für den Reichstag





Der Abgeordnete Ledebour1 hat hier heute zu meinem lebhaften Bedauern wieder die Armenierfrage aufgeworfen. Ihnen allen, meine Herren, ist bekannt, mit welch raffinierten Mitteln der Entstellung und Übertreibung unsere Feinde diese Frage zu einem Verleumdungsfeldzug gegen uns und die verbündete Türkei ausgebeutet haben. Auch das, was heute hier darüber gesagt worden ist, wird, fürchte ich, unseren Feinden wieder neuen Stoff für ihre Verleumdungen liefern. Was die Ursachen und den Verlauf der auch von uns tief beklagten Vorgänge betrifft, so muß ich es mir versagen, an dieser Stelle näher darauf einzugehen. Ich habe in einer Kommissionssitzung Ende September v.J. erschöpfende Aufklärungen gegeben, auf die ich mich beziehen darf. Nur einen Punkt möchte ich aus meinen damaligen Ausführungen herausgreifen: an dem Unglück des armenischen Volkes sind in erster Linie unsere Feinde selbst schuld, die schon lange vor Ausbruch des Krieges in gewissenloser Wühlarbeit die Armenier gegen die türkische Regierung aufgehetzt und als Werkzeuge ihrer eigennützigen politischen Pläne mißbraucht haben. Wie ich ferner schon im September mitteilte, hat die Armenierfrage wiederholt den Gegenstand eingehender Aussprachen mit der verbündeten türkischen Regierung, sowohl hier wie in Konstantinopel, gebildet. Ich bin bereit, den Herren, die näheres hierüber zu erfahren wünschen, in vertraulichem Kreise jede gewünschte Auskunft zu erteilen.

86. Sitzung des Reichshaushaltsausschusses am 29. September 19162

I.


Der Herr Abgeord. hat ferner die armenische Frage angeregt. Das ist eine ausserordentliche traurige Frage, und Sie wissen, dass wir in den früheren Kommissionsverhandlungen das oft betont und zugegeben haben. Als das Hamid'sche Regiment gestürzt wurde, und die Jungtürken zur Regierung kamen, traten die Armenier auf die Seite der Jungtürken. Sie stellten ihre Revolutionsorganisation dem jungtürkischen Regiment zur Verfügung und sogar auch einige Minister. Als der Krieg ausbrach kam sofort das alte Misstrauen der Türken gegen die Armenier zur Geltung. Selbstverständlich war auch seit Einsetzung des neuen Regimes sehr kräftig auf die Armenier von London, Paris und namentlich von Russland eingewirkt worden. Die russischen Armenier waren das eigentliche Bindeglied mit den türkischen Armeniern. Durch Geld, Spionage und andere Mittel wurde versucht, die türkischen Armenier abtrünnig zu machen. Kurz nachdem die Türkei an unserer Seite in den Krieg eingetreten war, im Oktober 1914, erhielten wir bereits vom Konsul in Aleppo die Nachricht, dass die Einberufung der Armenier zum Militär grossen Schwierigkeiten unterliege, und dass ein erheblicher Deutschenhass bei den Armeniern zum Ausdruck käme. Aehnliche Nachrichten gingen uns von Trapezunt und Erzerum zu. Bereits im Dezember 1914 kam es darauf in Erzerum zu Ausschreitungen der Türken gegen die Armenier. Wir nahmen die Sache sofort auf und beauftragten unseren Botschafter, bei der Pforte Vorstellungen zu erheben und auf die ernste Gefahr hinzuweisen, die aus der Wiederholung solcher Vorkommnisse für das türkische Reich sich ergeben könnte. Gleichzeitig beauftragten wir ihn, den armenischen Patriarchen aufzusuchen und ihn seinerseits ausdrücklich darauf hinzuweisen, wie wichtig es wäre, dass jetzt Armenien sich loyal auf die Seite der Türkei stellte und mit ihr kämpfe für die gemeinsame Sache. Von Berlin aus, von der deutsch-armenischen Gesellschaft endlich, wurde ein Armenier nach der Türkei geschickt, der von uns unterstützt wurde und den Auftrag hatte, mit dem Patriarchen und den Führern der armenischen Bewegung zu verhandeln und sie zu bewegen, dass sie loyal auf die Seite der Türken treten und in solcher Weise sich den Dank der Türken und die Sicherheit für alle Zukunft verschafften. Das Gold und die Hetzarbeit unserer Feinde sind daran Schuld, dass die Armenier unsere wohlgemeinten Ratschläge in den Wind schlugen und selbst das Unwetter entfesselten, unter dem ihr Volk so entsetzlich leiden sollte. Die Türken, die sich nach dem übereinstimmenden Urteil unserer Vertreter während der ersten Monate des Krieges dem armenischen Element gegenüber durchaus korrekt benommen hatten, wurden stutzig durch die Treibereien der Armenier. Von den im neutralen und feindlichen Ausland befindlichen Armeniern wurde eifrig die Revolution gegen die Türkei gepredigt. Es kam zu Aufständen. Die Klagen über Fahnenflucht und Uebergang zahlreicher Armenier zu den Russen mehrten sich. Bei Zeitun kam es zu einem ernsten Zwischenfall. Hier hatten sich armenische Deserteure verschanzt und wehrten sich sehr lange und energisch gegen die sie verfolgenden türkischen Gendarmen. Aehnliche Vorfälle wiederholten sich bei Bitlis, Marasch und anderen Plätzen. Schliesslich brach bedauerlicherweise in Wan im Rücken der gegen Aserbeidschan marschierenden türkischen Truppen ein allgemeiner armenischer Aufstand aus. Die türkischen Truppen konnten die Revolution zunächst nicht niederkämpfen und es kam wirklich dazu, dass russische Truppen und russische Armenier mit armenischen Deserteuren sich vor Wan vereinigten. Alle diese Umstände veranlassten die Türkei zu ernsten Massnahmen vom militärischen Standpunkte aus. Es wird jeder begreiflich finden, dass die Türken angesichts ihrer damaligen schwierigen Lage - die Dardanellenkämpfe standen auf dem Höhepunkt - sich nunmehr entschlossen, das von der armenischen Revolution heimgesuchte Gebiet zu evakuieren. Die harte, aber militärisch verständliche Massnahme der Aussiedelung der armenischen Bevölkerung aus dem Operation- und Etappengebiet begann im Mai 1915, im Sommer nahm diese Evakuation weitere Ausdehnung an und ergreift schliesslich ganz Anatolien bis zur Küste und den Toren von Smyrna. Wir sind überzeugt, dass die Türken ursprünglich ganz loyal handelten und nicht die Absicht hatten, etwa die Armenier zu vernichten. Dass die Evakuierung nicht so vorwärts ging, wie es in anderen Ländern möglich wäre, ist begreiflich. Die ganze innere Organisation versagte. Es mangelte an Strassen, an Transportmitteln, an Geld und vor allem an Nahrungsmitteln. Es kamen natürlich der Fanatismus der Türken und der Hass hinzu, der durch die Verrätereien und die Untreue der Armenier in gewissem Masse begründet war. Die Aussiedelung sollte zunächst nach näher gelegenen Punkten Syriens wie Huma und Damaskus stattfinden; dann kamen Orte im Euphrattale und schliesslich Ras-ul-Ain und Mosul in Frage. Die Aussiedelung nahm einen beklagenswerten Verlauf.

Die traurigen Vorgänge sind allgemein bekannt. Die Entente, England, Frankreich und Russland tragen an ihnen aber die Hauptschuld. Ich erinnere an dieser Stelle an den Artikel im Daily Chronicle vom September 1915, der lobend anerkennt, dass das armenische Volk von Anfang des Krieges an die Sache der Entente zu der seinen gemacht, von Anfang ohne Markten noch Feilschen an der Seite der Entente gefochten und mit Recht als der siebente Bundesgenosse betrachtet werden müsse. Der Artikel ist überschrieben: The seventh Ally!

Wir haben in der armenischen Frage von Anfang an energische Vorstellungen bei der Pforte erhoben. Wir werden vielleicht später einmal nach dem Kriege, wenn unsere Position nicht mehr so delikat ist wie heute, unsere ganzen Verhandlungen in einem Weissbuche niederlegen. Ich kann Ihnen vertraulich erzählen, dass unser Botschafter soweit gegangen ist, sich direkt den Unwillen des Grosswesirs und des Ministers des Innern zuzuziehen. Nach den ersten drei Monaten seiner Tätigkeit haben die betreffenden Minister gesagt, der Botschafter scheine wohl nichts anderes zu tun zu haben, als sie immer in der Armeniersache anzuöden.

Die neuen Klagen, dass die armenischen Waisenhäuser aufgelöst, die Armeniermädchen in die Harems und die Knaben in die türkischen Waisenhäuser gebracht und gezwungen werden, Mohammedaner zu werden, haben mir Anlass gegeben, persönlich bei dem zurzeit hier anwesenden türkischen Minister des Auswärtigen ernste Vorstellungen zu erheben. Ich habe darauf hingewiesen, dass diese Vorgänge nicht nur für die Türken sondern auch für uns ausserordentlich peinlich wären und wir dringend bitten müssten, Mittel und Wege zu finden, dass hier Abhilfe geschaffen werde.

Ich kann nur sagen, wir haben alles getan, was wir konnten. Das äusserste, was uns übrig bliebe, wäre, das Bündnis mit der Türkei zu brechen. Sie werden verstehen, dass wir uns dazu unter keinen Umständen entschliessen können. Höher als die Armenier, so sehr wir vom rein menschlichen Standpunkt aus ihr Los beklagen, stehen uns unsere Söhne und Brüder, die ihr teueres Blut in den schwersten Kämpfen vergiessen müssen und die mit auf die Unterstützung der Türken angewiesen sind. Denn die Türken leisten uns zur Deckung der Südostflanke wesentliche und gute Dienste. Sie werden mit mir übereinstimmen, dass wir so weit nicht gehen können, den Türken, die wir tatsächlich durch unsere andauernden Vorstellungen in der armenischen Frage stark verstimmt haben, noch das Bündnis zu kündigen.


II.


Als die Pforte im Herbst 1914 an der Seite der Zentralmächte in den Krieg eintrat, war die Lage der armenischen Bevölkerung in der Türkei verhältnismäßig günstig. Die Armenier hatten an der Seite der Jungtürken gegen das hamidische Regime gekämpft. Die jungtürkische Regierung war ihnen daher nicht unfreundlich gesinnt. Andererseits machte uns die durch langjährige Erfahrungen bestätigte Tatsache besorgt, daß ein beträchtlicher Teil der türkischen Armenier mit seinen Sympathien zu den Westmächten und Rußland hinneigte. Diese Besorgnis gab dem Auswärtigen Amt Veranlassung, den armenischen Patriarchen in Konstantinopel bald nach dem Eingreifen der Türkei durch den damaligen Kaiserlichen Botschafter Freiherrn von Wangenheim in mehrfachen vertrauensvollen Unterredungen eindringlich darauf hinweisen zu lassen, daß jetzt die Stunde gekommen sei, wo die Armenier die oft beteuerte Loyalität gegen den türkischen Staat beweisen und sich die Grundlage einer gesicherten Zukunft schaffen könnten. Im Einverständnis mit dem Auswärtigen Amt entsandte zur gleichen Zeit die Deutsch-Armenische Gesellschaft, an deren Spitze Dr. Johannes Lepsius steht, einen armenischen Vertrauensmann nach der Türkei mit dem Auftrage, bei dem armenischen Patriarchat und den politischen Führern der Armenier in Konstantinopel daraufhin zu wirken, "daß das armenische Volk im engen Anschluß an die Türkei seine nationale Kraft für den Sieg der ottomanischen Waffen einsetze und in weiser Erkenntnis seiner eigenen Interessen die türkische Regierung in der Durchführung aller Maßregeln und kriegerischen Operationen in den von Armeniern bewohnten Provinzen nach Kräften unterstütze." Bei der Ausführung dieses Auftrages wurde der Vertrauensmann vom Auswärtigen Amt und den kaiserlichen Vertretungen in der Türkei in jeder Weise unterstützt. Das Gold und die Hetzarbeit unserer Feinde sind daran Schuld, daß die Armenier unseren wohlgemeinten Rat in den Wind schlugen und selbst das Unwetter entfesselten, unter dem ihr Volk so entsetzlich leiden sollte.

Nach dem übereinstimmenden Urteil unserer Vertreter hat sich die türkische Regierung während der ersten Monate des Krieges dem armenischen Element gegenüber durchaus korrekt benommen. Das erste Sturmzeichen bildete der Zwischenfall von Zeitun. In diesem fast ausschließlich von Armeniern bewohnten, festungsartig angelegten Städtchens Südarmeniens hatte sich im März 1915 ein Trupp armenischer Deserteure verschanzt und dem ihn verfolgenden türkischen Militär verzweifelten Widerstand geleistet. Es kam zu einer regelrechten Belagerung und Erstürmung der Stadt, wobei große Vorräte moderner Waffen gefunden wurden. Da ein Teil der Bevölkerung mit den Aufrührern gemeinschaftliche Sache gemacht hatte, wurde nach Kriegsrecht ein strenges Strafgericht über die Stadt verhängt. Der Vorfall in Zeitun blieb nicht vereinzelt. Es kam im Anschluß daran in mehreren Städten dieser Provinz zu ähnlichen Ausschreitungen und Kämpfen, die dazu führten, daß hier mit der Evakuierung der schwer kompromittierten, armenischen Bevölkerung begonnen wurde. Die Maßnahmen beschränkten sich zunächst auf ein verhältnismäßig kleines Gebiet und hatten nur lokalen Charakter. Immerhin war das Mißtrauen der Regierung gegen die Armenier geweckt. Einen verhängnisvollen Lauf nahmen die Dinge im nächsten Monat, im April 1915, als in Hocharmenien besonders in der Gegend von Wan, im Rücken der gegen Aserbeidschan marschierenden türkischen Truppen ein allgemeiner armenischer Aufstand losbrach, dem in wenigen Tagen Tausende von Muhammedaner zum Opfer fielen. Aus naheliegenden Gründen ist in der türken- und deutschfeindlichen Presse wenig oder nichts über dieses Blutbad veröffentlicht worden, das für die Armenier so traurige Folgen haben sollte. Unter Aufbietung starker Kräfte und mit erheblichen Verlusten gelang es den Türken, den Aufstand hinter ihrer Front niederzuschlagen. Man kann es verstehen, wenn sie nun den Entschluß fassten, solche Vorkommnisse für die Zukunft unmöglich zu machen. Hinzu kam, daß in der Hauptstadt ein gegen das Leben der türkischen Machthaber gerichtetes armenisches Komplott entdeckt wurde, und daß auch sonst Anzeichen dafür vorhanden waren, daß ein Teil der Armenier mit den Feinden der Türkei in geheimer Verbindung stand. Angesichts ihrer damaligen kritischen Lage der Türkei - die Dardanellenkämpfe standen auf dem Höhepunkt - mußte die türkische Regierung mit allen Mitteln die bedrohte Sicherheit im Innern des Landes wiederherstellen. Die harte, aber militärisch verständliche Maßregel der Aussiedelung der armenischen Bevölkerung aus den als Operations- oder Etappengebiet vom Krieg berührten Gegenden wurde beschlossen. Im nördlichen Teil von Mesopotamien, fern von den militärisch bedrohten Grenzen sollten den Armeniern neue Wohnsitze angewiesen werden. Daß die Durchführung der Umsiedelungsregeln zur Vernichtung eines großen Teils der armenischen Bevölkerung führen sollte, haben die türkischen Machthaber ursprünglich sicher weder gewollt, noch vorausgesehen. Die beklagenswerte Entwickelung, welche nun die Dinge nahmen, erscheint bis zu einem gewissen Grade begreiflich, wenn man einerseits die nicht unberechtigte Empörung der muhamedanischen Bevölkerung, andererseits die Primitivität der inneren türkischen Verhältnisse und den geringen Einfluß in Rechnung zieht, den die Zentralverwaltung in Konstantinopel in den ferner liegenden Provinzen auszuüben vermag. Für eine derartige Bevölkerungsverschiebung großen Stils, die selbst im Frieden jahrelange Vorbereitungen erfordert hätte, war natürlich nichts vorgesehen. Es mangelte an allem, an einer geeigneten einheitlichen Organisation, an Straßen, an Transportmitteln, an Geld und vor allem an Nahrungsmitteln. Die durch den Krieg aufgepeitschten niederen Instinkte, die alten Rassen- und Religionsgegensätze taten ein übriges. Daß der nicht mehr zu hemmende Lauf der Dinge manchem der jungtürkischen Machthaber nachträglich als eine radikale Lösung der armenischen Frage nicht unerwünscht schien, ist leider nicht unwahrscheinlich. Es wäre nicht dazu gekommen, wenn nicht die Armenier selbst dazu eine Handhabe gegeben hätten. Die moralische Schuld an den Vorkommnissen trifft neben den Armeniern selbst deren Anstifter in London, Petersburg und Paris. Bezeichnend ist ein Artikel des "Daily Chronicle" vom 23. September 1915, der "Our seventh Ally" überschrieben ist und lobend anerkennt, daß das armenische Volk von Anfang des Krieges an die Sache der Entente zu der seinen gemacht, von Anfang an ohne Markten und Feilschen an der Seite der Entente gefochten und dadurch sich das Anrecht erworben habe, als siebenter Bundesgenosse betrachtet zu werden.

Das Auswärtige Amt und die Kaiserlichen Vertretungen in der Türkei haben von Beginn der armenischen Krise an alles mit diplomatischen Mitteln Mögliche getan, um das Los der Armenier zu mildern. Die Kaiserliche Regierung ist, was der Öffentlichkeit nicht bekannt ist und vorläufig auch nicht bekannt werden darf, bei ihrem Druck auf die türkische Regierung bis zur äußersten Grenze gegangen. Zur Kündigung des Bündnisverhältnisses wegen der armenischen Frage hielt und hält sich die Kaiserliche Regierung nicht für berechtigt. Denn so bedauerlich es vom christlichen und allgemein menschlichen Standpunkt ist, daß unter dem türkischen Vorgehen mit den Schuldigen auch hunderttausende Unschuldiger zu Grunde gehen, näher als die Armenier stehen der deutschen Regierung die Söhne Deutschlands, deren opferreicher blutiger Kampf im Westen, Osten und Süden durch die Waffenhilfe des türkischen Bundesgenossen wesentlich erleichtert wird. Die Verantwortung dafür, durch den Bruch mit der Türkei über der Armenierfrage die Südostflanke unserer Weltkampfstellung zu entblößen, könnte keine deutsche Regierung tragen und zwar umsoweniger, als die Armenier selbst durch einen solchen Schritt nicht etwa vor weiteren Verfolgungen bewahrt, sondern erst recht der türkischen Rache ausgeliefert worden wären.


1 Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Georg Ledebour
2 Anmerkung Rosenbergs: Sr. Exz. gef. vorg. Anl. Teil I ist das Protokoll über E. E. Erklärungen im Ausschuß. Anl. II ist eine Aufzeichnung, die bei der Großherzogin von Baden verwendet wurde. [Diese Aufzeichnung wurde von Rosenberg am 6.9.1916 (A 24118) für die Beantwortung eines Briefes der Großherzogin Luise von Baden angefertigt.]



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