1915-04-02-DE-004
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Quelle: DE/PA-AA/R 20182
Zentraljournal: 1915-A-12625
Erste Internetveröffentlichung: 2012 April
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1911.01-1915.05
Praesentatsdatum: 04/11/1915 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 126
Zustand: A
Letzte Änderung: 06/17/2017


Der Gesandte in Athen (Mirbach) an den Reichskanzler (Bethmann Hollweg)

Bericht



No. 126.

Athen, den 2. April 1915.

Abschrift

3 Anlagen. [nicht bei den Akten]

Am 28. v.M. war das geh. beigefügte Communiqué der Regierung über die auswärtige Politik veröffentlicht worden, worin u.a. gesagt war, daß das neue Ministerium bestrebt sein würde, „gewisse dem Lande drohende Gefahren abzuwenden, ohne die Opfer zu bringen, zu welchen ‚Andere’ bereit gewesen wären.“

Herr Venizelos, der sich durch diesen Passus getroffen fühlte, erbat daraufhin von seinen Amtsnachfolgern Aufklärungen über die in der amtlichen Veröffentlichung gebrauchten Wendungen.

In seinem gleichfalls angeschlossenen Antwortschreiben hat nunmehr Herr Gúnaris die Andeutungen des Communiqués näher erläutert. Er erinnert seinen Amtsvorgänger daran, daß nach dem vorliegenden Aktenmaterial, Herr Venizelos bereit gewesen sein würde, Kavalla und Drama an Bulgarien abzutreten, um die bulgarische Gefahr zu bannen und dann gleichzeitig mit Bulgarien und an dessen Seite aus der Neutralität herauszutreten.

Binnen weniger Stunden replizierte Herr Venizelos mit dem in Anlage III seinem wesentlichen Inhalt nach wiedergegebenen Schreiben. Er bestreitet, daß jemals amtliche Besprechungen obengedachter Art mit Bulgarien stattgefunden hätten; lediglich er habe in einem Seiner Majestät dem Könige unterbreiteten Memorandum als seine ganz persönlich Idee entwickelt, daß jener Eventualität vielleicht näherzutreten sein würde, wenn Griechenland unter ganz bestimmten Voraussetzungen und Bedingungen anderwärts, namentlich in Kleinasien große Gebietserweiterungen gesichert würden. Das Schreiben schließt mit der Voraussage, daß anläßlich der bevorstehenden Wahlen das griechische Volk Gerechtigkeit walten lassen würde.


[Graf von Mirbach]



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