1916-01-13-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R 20041
Zentraljournal: 1916-A-01164
Erste Internetveröffentlichung: 2017 Juni
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1915.06-1916.12
Telegramm-Abgang: 01/13/1916 03:55 PM
Telegramm-Ankunft: 01/13/1916 08:25 PM
Praesentatsdatum: 01/13/1916 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 66
Zustand: A
Letzte Änderung: 11/19/2017


Der Botschafter in außerordentlicher Mission in Konstantinopel (Wolff-Metternich) an das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht


Pera, den 13. Januar 1916

Konsul Bagdad drahtet vom 11. Januar:

Ganz geheim!

Generalfeldmarschall Freiherr von der Goltz, der heute zur Front vor Kut-el-Amara abreist, warnte mich streng vertraulich, da die Lage unten höchst ernst sei, und ein plötzlicher Durchbruch der Engländer und Vorstoß auf dem im Steigen begriffenen Fluß nicht unmöglich sei. Die Lage ist durch das Eintreffen einer neuen englischen Division, zu der auch 800 Mann französischer Kolonialtruppen aus Pondichéry gehören, sowie durch unüberlegte, soweit bekannt ohne Zustimmung des Feldmarschalls ausgeführte Angriffe von Nureddin gegen die in Kut-el-Amara eingeschlossenen 8000 (Gruppe fehlte) entstanden.

Diese Angriffe haben bei dem Mangel an schwerer Artillerie sehr schwere Verluste der Türken zur Folge gehabt, so daß von den ursprünglichen 24000 Mann nur noch etwa 13000 gefechtsfähig sind. Die arabischen Freiwilligen sind mit Undank nach Hause geschickt. Es besteht große Gefahr, daß infolgedessen den Engländern der Entsatz ihrer in Kut-el-Amara an Lebensmitteln leidenden Kameraden gelingt.

Es hat sich bei dieser Gelegenheit auf das deutlichste erwiesen, daß das dortige Oberkommando Frhr. v.d. Goltz und Nureddin ein Unding ist, zumal letzterer das Urbild eines ebenso eingebildeten wie unfähigen türkischen Generals ist. Seine eigene schroffe Ablehnung des Zusammenarbeitens mit den Deutschen hat natürlich direkte Böswilligkeit bei den untergeordneten türkischen Organen zur Folge. Es erscheint als eine absolute Notwendigkeit für eine aussichtsreiche Kriegführung, daß die Kommandogewalt einheitlich gestaltet werde. Außerdem müssen unbedingt Geldmittel zur Verfügung der vielen zur VI. Armee kommandierten deutschen Offiziere gestellt werden, die später von den türkischen Behörden wieder eingezogen werden können, sonst sind sie aus Mangel an Mitteln vollständig an jeder Tätigkeit verhindert.

Der alte Plan der englischen und russischen Militärs, gegen Bagdad vorzugehen, hat dieses Mal mehr Aussicht auf Gelingen als früher, und nur eine absolut einheitliche und energische Kriegsführung, die alle nötigen Mittel bereitstellt, kann zum Erfolge führen.“


[Metternich]



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