1916-06-17-DE-008
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Quelle: DE/PA-AA/R 20078
Zentraljournal: 1916-A-16312
Erste Internetveröffentlichung: 2017 Juni
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1915.06-1916.12
Praesentatsdatum: 06/20/1916 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 265
Zustand: A
Letzte Änderung: 11/19/2017


Der Gesandte in Bukarest (Bussche-Haddenhausen) an den Reichskanzler (Bethmann Hollweg)

Bericht


Bukarest, den 17. Juni 1916

Euerer Exzellenz beehre ich mich beifolgenden Bericht des stellvertretenden Militärattachés vorzulegen:

No 1848 vom 16. d.M., betreffend Eindringen russischer Truppen auf rumänisches Gebiet am 10/11. Juni nachts.

Meine feste Überzeugung ist, daß es sich bei dem Vorfall von Marmornitza nicht um ein Versehen handelt, sondern um einen wohlüberlegten Plan der russischen Regierung, oder der russischen Militärs. Warum es sich aus militärischen Gründen nicht um ein Versehen handeln kann, hat Herr Oberst von Hammerstein überzeugend dargelegt. Andere Gründe, die dafür sprechen, dass es sich um einen Versuch handelte, festzustellen, was man Rumänien bieten kann, sind:

1.) das Abberufungstelegramm an den französischen Gesandten, in dem davon die Rede ist, dass die Abberufung im Interesse einer verstärkten politischen und militärischen Tätigkeit in Rumänien erfolge (Les intérêts politiques et militaires de la France en Roumanie réclament une action plus énergique),

2.) dass Filipescu und Take Jonescu wiederholt geäussert haben, wenn Rumänien nicht mit der Entente ginge, man es zwingen werde.

Ich habe allen Leuten, mit denen ich zusammengekommen bin, meine Ansicht dahin geäussert, dass ein Versehen ausgeschlossen wäre. Insbesondere habe ich mich so dem König, Herrn Bratianu, dem Minister des Innern und dem Prinzen Stirbey gegenüber geäussert. Während der König, als ich Ihn sprach, noch zu schwanken schien, behauptete Bratianu, dass er und auch der König davon überzeugt seien, dass es sich um ein Versehen handelt; die russischen Truppen seien im Kampfe auf rumänisches Gebiet gedrängt worden. Es passt Herrn Bratianu natürlich diese Erklärung besser, denn es ist ohne Zweifel zu einer Grenzverletzung nur gekommen, weil er die Grenze gegen Russland unbeschützt liess, trotzdem Graf Czernin und ich ihn und den König wiederholt auf die Gefahr eines russischen Einmarsches aufmerksam gemacht haben. Ausserdem ist er den Russen immer so entgegen gekommen, dass sie glaubten, Rumänien werde auch diese Sache ruhig hinnehmen.

Ganz so, wie die Russen und ihre Freunde sich die Sache gedacht hatten, ist sie doch nicht abgelaufen, und in den Kreisen der Russophilen herrscht Niedergeschlagenheit. Bratianu und namentlich der König haben gezeigt, dass sie sich doch nicht ganz als „quantité negligeable“ - man möchte sich nicht wie Griechenland und Persien vergewaltigen lassen, ist die Parole- behandeln lassen wollen. Insofern hat der Russeneinfall sein gutes gehabt.

Ich glaube aber, dass die Russen trotz ihrer Versicherungen, wenn es ihnen passt, erneute Versuche machen werden, aus militärischen oder politischen Gründen rumänisches Gebiet zu verletzen, es sei denn dass Rumänien auch gegen Russland hin einen wirklichen Grenzschutz einrichtet.

Vielleicht wäre es gut, wenn Graf Czernin und ich beauftragt würden, Herrn Bratianu gelegentlich zu erklären, daß wir uns vorbehalten müssten, Rumänien verantwortlich zu machen, wenn infolge rumänischer Saumseligkeit die Russen durch Rumänien einen Angriff auf österreichisch-ungarisches Gebiet machen sollten. Graf Czernin, mit dem ich eben sprach, ist mit diesem Vorschlag ganz einverstanden. [Randbemerkung Wilhelm II an diesen Absatz: Ja ]


Bussche



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