1915-01-27-DE-002
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Quelle: DE/PA-AA/R 20176
Zentraljournal: 1915-A-03410
Erste Internetveröffentlichung: 2012 April
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1911.01-1915.05
Telegramm-Abgang: 01/27/1915 10:30 PM
Telegramm-Ankunft: 01/28/1915 07:07 AM
Praesentatsdatum: 01/28/1915 a.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 91
Zustand: A
Letzte Änderung: 10/23/2017


Der Gesandte in Athen (Quadt zu Wikradt und Isny) an das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht



Nr. 91.

Athen, den 27. Januar 1915.

Unter Bezugnahme auf Tel. Nr. 55 {A 3181}.

Venizelos Inhalt Telegramms mündlich mitgeteilt. Dasselbe hat entschieden gewissen Eindruck gemacht.

Auf meine Frage, ob Demarche Entente oder England allein stattgefunden habe, erwiderte Venizelos, er könne mir hierauf nicht antworten, da er es für illoyal halten würde, mir Schritte unserer Gegner mitzuteilen.

Auf starkes Drängen meinerseits sagte Venizelos schließlich, die Anerbietungen, die von unseren Gegnern gemacht worden seien, seien für Griechenland nicht allzu sehr verführerisch. Die Entspannung der letzten Tage sei eine bedeutende. Meine Frage, ob ich hieraus schließen könne, daß Venizelos auf sein altes Programm zurückgekommen sei, daß Griechenland nur dann aus der Neutralität heraustreten werde, wenn Bulgarien Serbien angreife, bemerkte Venizelos nach einigem Zögern bejahend, betonte aber, er könne sich nicht durch diese Äußerungen auf die Dauer festlegen. Alles abhänge schließlich von der Haltung Rumäniens. Seinen Nachrichten zufolge sei aber auch dort in letzten Tagen Schwenkung eingetreten. Öffentliche Meinung in Rumänien schiene jetzt eher geneigt, an Neutralität festzuhalten. Aus Serbien höre er, daß man dort zwar Konzentrierungen bedeutender feindlicher Kräfte an der Grenze festgestellt habe, aber der Ansicht sei, daß diese eventuell auch gegen Rußland gerichtet sein könnten. Trotz meiner wiederholten Betonung, daß weder in Wien noch in Berlin Vernichtung Serbiens geplant sei, selbst wenn Expedition dorthin vorgenommen werde, schien Venizelos doch wegen eventuellen Vormarsches gegen Serbien immer noch besorgt, hauptsächlich weil er im Zusammenhang damit Eingreifen Bulgariens zu fürchten schien.

Absichten unserer Gegner scheinen demnach noch einmal vorläufig gescheitert. Hoffe in kürzester Zeit bestimmteres zu erfahren. Bis jetzt höre ich, daß jedenfalls keine gemeinschaftliche Demarche unserer Gegner stattgefunden hat, wahrscheinlich aber Einzel-Demarche aller drei Vertreter.

Habe König heute nur flüchtig gesprochen, werde von Seiner Majestät morgen früh empfangen.


[Quadt]



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