1916-03-27-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14090
Zentraljournal: 1916-A-08373
Erste Internetveröffentlichung: 2000 März
Edition: Genozid 1915/16
Praesentatsdatum: 03/31/1916 a.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: No. 131
Zustand: A
Letzte Änderung: 04/22/2012


Der Botschafter in außerordentlicher Mission in Konstantinopel (Wolff-Metternich) an den Reichskanzler (Bethmann Hollweg)

Bericht



No. 131

Pera, den 27. März 1916

Auf Erlass vom 17. März No. 213.

Der zu telegraphischem Bericht aufgeforderte Kaiserliche Konsul zu Aleppo bezeichnet die von Schweizerischer Seite angebotene Hülfe für die notleidenden Armenier sowie die Informationsreise des Dr. Vischer, den er für besonders geeignet zu diesem Zwecke hält, als sehr erwünscht. Allerdings glaubt er nicht, dass die Beteiligung des Schweizerischen Vereins in einer festen Form wird erfolgen können, vielmehr würde es sich um einen Versuch handeln, unter der Hand zu helfen, und er rät daher auch als Reiseziel des Dr. Vischer Bagdad zu bezeichnen, damit dieser unauffällig Deir Zor besuchen könne, wo die meisten Armenier angesiedelt sind.

Ob freilich die türkischen Behörden die letzthin auch von Amerika aus mit reichen Geldmitteln geförderte Notstandshilfe für die Armenier, selbst in bescheidener Form und unter Vermeidung jeder politischen Propaganda, dulden werden, muss dahingestellt bleiben.

Trotz aller gegenteiligen Versicherungen gewinnt es nämlich den Anschein, als ob die Pforte nunmehr daran geht, auch mit den Überresten der Verschickten aufzuräumen und, was bisher dem Elend und dem Verderben entgangen ist, noch vor Friedensschluss nach Möglichkeit zu vernichten. So dürfte nach den jüngsten Nachrichten des Herrn Roessler die Aussiedelung der in Aleppo ansässigen Armenier nahe bevorstehen; unter der Hand wird von der Polizei bekannt gegeben, dass diejenigen, die zum Islam übertreten, von dieser Maßregel ausgenommen werden. In gleicher Weise ist kürzlich in Adrianopel verfahren worden; in Aleppo sowie in Adrianopel haben infolgedessen zahlreiche Armenier den Islam angenommen. Ähnlich ist die Lage der in verschiedenen Bezirken von Kleinasien angesammelten armenischen Verschickten; sie werden von den Behörden ohne Unterstützung gelassen, wo sie versuchen sich ihren Unterhalt selber zu verdienen, an der Arbeit verhindert, mit Weiterverschickung bedroht, und suchen schließlich ihre Rettung in der Apostasie.

Das Schreiben des Herrn Vischer an Herrn Roessler ist nebst einem Fragebogen weiterbefördert worden; die übrigen Fragebogen habe ich den Kaiserlichen Konsularämtern in Damaskus, Adana, Smyrna und Mossul übersandt.


Metternich


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