1916-05-02-DE-002
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Quelle: DE/PA-AA/R 20068
Zentraljournal: 1916-A-11537
Erste Internetveröffentlichung: 2017 Juni
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1915.06-1916.12
Telegramm-Abgang: 05/02/1916 08:30 PM
Telegramm-Ankunft: 05/03/1916 12:40 AM
Praesentatsdatum: 05/03/1916 a.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 155
Zustand: A
Letzte Änderung: 11/19/2017


Der Gesandte in Sofia (Oberndorff) an das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht


Sofia, den 2. Mai 1916

Vertraulich.

Seine Königliche Hoheit Prinz August Wilhelm mitteilte mir beim Abschied, Seine Majestät der König Ferdinand habe zu ihm sehr erregt über Prisrend Pristina-Frage gesprochen. Österreicher wollten alle Zugeständnisse wieder zurücknehmen, hielten wie österreichischer Gesandter jetzt bei Rückkehr von Wien erklärte, Anspruch auf Städte aufrecht. Baron Burian scheine nach Berichten aus Berlin bei dortigem Besuch neben amerikanischer und polnischer Frage auch Pristina-Angelegenheit besprochen zu haben, um Kaiserliche Regierung österreichischen Wünschen gefügig zu machen. Seine Majestät der König habe sich dann in uns gewohnten Redensarten: Wiederaufkommen der Russophilen, Sturz Radoslawows usw. ergangen.

Graf Tarnowsky versichert mir, von Österreich sei an Militärabkommen nicht gerührt worden. Er habe nur nach Rückkehr von Wien in freundschaftlichem Gespräch mit Radoslawow und Kabinettschef Dobrowitsch seine (in meinem Telegramm Nr. 130 {A 9289} berichtete) frühere Erklärung über provisorischen Charakter des Abkommens und Aufrechterhaltung österreichischer Ansprüche wiederholt.

Wie berichtet (Telegramm Nr. 112 {A 8252}), hatte König von Anfang an ungern gesehen, daß Militärabkommen Möglichkeit künftiger Räumung bestehen ließ. Vielleicht hält Seine Majestät Zeitpunkt für geeignet, Frage aufzurollen, um Bulgariens Anspruch auf Städte endgültig durchzusetzen, in Erwägung, daß dies jetzt leichter sein könnte wie bei Friedensschluß.

Nach früheren mir von Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen erzählten Äußerungen Seiner Majestät des Königs scheint Seine Majestät größere Albanien-Anwandlungen noch nicht überwunden zu haben, obwohl Seine Majestät solche Wünsche bestreitet. Vor allem scheint Seine Majestät Albanien den Österreichern nicht zu gönnen. Seine Majestät fragte sogar, ob Prinz selbst nicht eventuell nach Albanien wolle, was Seine Königliche Hoheit unter Hinweis auf Erfahrungen des Prinzen Wied lachend verneinte.


[Oberndorff.]



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