1916-04-28-DE-001
Deutsch :: de
Home: www.armenocide.net
Link: http://www.armenocide.net/armenocide/armgende.nsf/$$AllDocs/1916-04-28-DE-001
Quelle: DE/PA-AA/R14091; BoKon172
Zentraljournal: 1916-A-11470
Erste Internetveröffentlichung: 2000 März
Edition: Genozid 1915/16
Praesentatsdatum: 05/02/1916 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 200
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Botschafter in außerordentlicher Mission in Konstantinopel (Wolff-Metternich) an den Reichskanzler (Bethmann Hollweg)

Bericht



Nr. 200

Pera, den 28. April 1916

Auf Erlaß Nr. 2951 vom 7. d.M..

Die von der Deutschen Orient-Mission geplante Hilfsexpedition für die notleidenden Armenier in Syrien und Mesopotamien ist diesseits auf der Hohen Pforte zur Sprache gebracht worden; ich habe dabei hervorheben lassen, daß der genannte Verein hierbei lediglich humanitäre Ziele im Auge habe, wie dies schon daraus sich ergebe, daß es sich in der Hauptsache um Fürsorge für Frauen und Kinder handle; ferner, daß der Verein unter seinen Mitgliedern zahlreiche Persönlichkeiten von Einfluß und Ansehen habe, sowie endlich, daß Herr Lepsius im vorigen Jahre persönlich hierhergekommen sei und sich u.a. durch Rücksprache mit Enver Pascha und Talaat Bey über die Armenische Frage zu unterrichten Gelegenheit gehabt habe.

Die Antwort der Pforte lautete durchaus ablehnend, und zwar mit der Begründung, daß die türkische Regierung keinerlei fremde Hilfsaktion für die Armenier zulassen könnte, da hierdurch die Armenier in ihren Hoffnungen auf das Ausland bestärkt würden. Diese Begründung stimmt wörtlich überein mit der Antwort, die dem Konsul Loytved in Damaskus von Djemal Pascha erteilt wurde, als er den letzteren über die von amerikanischer Seite mit deutscher Beteiligung geplante Hilfsaktion sondierte.

Über eine eventuelle Verteilung der den Armeniern zugedachten Hilfsmittel durch Djemal Pascha hat sich Konsul Loytved auf telegraphische Anfrage dahin geäußert, daß er diesen Modus zunächst nur dort für zweckmäßig erachte, wo Konsulate die Unterorgane Djemal Paschas beaufsichtigen können. Aber auch hierfür müsse die Genehmigung der Zentralregierung eingeholt und dann dem Djemal Pascha Art und Weise der Verteilung von den Geldgebern genau mitgeteilt werden; im übrigen empfehle es sich, die Hilfsaktion wie bisher durch Vertrauenspersonen im geheimen fortzusetzen.


Metternich


[Loytved an Botschaft Konstantinopel (No.44) 21.4.]

Antwort auf Tel.No.45 (A 1172)

Verteilung von Geldern an Armenier durch Djemal Pacha halte ich für den Anfang nur für wohltätige Unternehmungen in denjenigen Städten zweckmäßig, in denen Konsulate die Unterorgane Djemal Pachas beaufsichtigen können. Im übrigen empfehlenswert Hilfsaktion wie bisher durch Vertrauensmänner im geheimen fortzusetzen. Für die Überlassung von (Geldern) an Djemal Pacha müsste zunächst die Genehmigung der Hohen Pforte eingeholt und dann Djemal Pascha die Art und Weise der Verteilung von den Geldgebern genau mitgeteilt werden.


[Zimmermann an Johannes Lepsius 8.5.]


Vertraulich!

Im Anschluss an das Schreiben vom 7. v.Mts. A 8702, darf ich Ew. pp. erg. mitteilen, dass der Kaiserliche Botschafter in Constantinopel auf meine Anfrage wegen der geplanten Hilfsexpedition zu Gunsten der armenischen Flüchtlinge folgendermassen geantwortet hat [folgt obiger Text].

Wie ich Ew. pp. ferner mit der Bitte um strengste Geheimhaltung mitteilen möchte, hat sich der Ks. Konsul Loytved in Damaskus auf telegraphische Anfrage dahin geäussert, dass er es für zweckmässig hält, die Hilfsaktion wie bisher durch Vertrauenspersonen im geheimen fortzusetzen.


1 A 8626.



Copyright © 1995-2018 Wolfgang & Sigrid Gust (Ed.): www.armenocide.net A Documentation of the Armenian Genocide in World War I. All rights reserved