1914-02-27-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R 14083
Zentraljournal: 1914-A-04075
Erste Internetveröffentlichung: 2017 November
Edition: Armenische Reformen
Telegramm-Abgang: 02/27/1914 11:53 PM
Telegramm-Ankunft: 02/28/1914 01:21 AM
Praesentatsdatum: 02/28/1914 a.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 100
Zustand: A
Letzte Änderung: 11/19/2017


Der Botschafter in Konstantinopel (Wangenheim) an das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht


Constantinopel, den 27. Februar 1914

Minister des Innern Halil Bey suchte mich soeben auf, um mir zu sagen, dass nach amtlichen Meldungen aus Armenien russische Agenten dort eine intensive Tätigkeit entfalten, um die türkische Bevölkerung gegen die Reformen aufzuhetzen. Die Bezeichnung der Generalinspekteure verzögere sich offenbar, weil Russland ein Designierungsrecht für sich in Anspruch nehme und über die Regierungen gewisser Kleinstaaten mit Persönlichkeiten verhandele, die Garantien böten, dass sie als Generalinspekteure in spezifisch russischem Sinne arbeiten würden. Die Türkei wolle sich nicht dirigieren lassen. Sie verlangt für die beiden wichtigsten Posten tätige und unparteiische Männer, die auch in ihren Ländern sich des allgemeinen Vertrauens erfreuten. Gelängen Russland seine dunkeln Pläne, so werde es bald in Armenien zu einer Katastrophe kommen. Die Pforte nehme an, dass die ihr befreundeten Mächte die Wichtigkeit der Sache bereits erkannt hätten und entschlossen seien, Russland nicht die ausschliessliche Designierung zu überlassen.

Auch Markgraf Pallavicini und Marquis Garroni besorgen russische Intrigen und sind mit mir der Meinung, dass es für die Dreibundmächte schwierig sein würde, etwa von Russland vorgeschlagene und von Frankreich und England akzeptierte Kandidaten zu refüsieren.

Uns erscheint als die praktischste Lösung, wenn mit den Verhandlungen eine Botschafterreunion betraut würde, die nach Ausscheidung von zwei der fünf in Betracht kommenden Kleinstaaten durch das Los sich an die Vertreter der Kleinstaaten mit der Bitte um Designierung wenden würden.


Wangenheim

[Erlaß Jagow 28. 2. an die Botschaften 1. Wien (Nr. 287); 2. Rom (Nr. 244); 3. London (Nr. 341); 4. Paris (Nr. 281); 5. St. Petersburg (Nr. 188)]

zu 1-3: Zur streng vertr. Verwertung.

zu 4 u. 5: Zur ausschl. persönl. streng vertr. Inform.

Der ks. Botschafter in Pera meldet unterm 27. Februar:

[obiger Text, leicht verändert unter Nennung der 5 Kleinstaaten Holland, Belgien, Schweiz, Norwegen, Schweden.]

Die von Baron Wangenheim empfohlene Lösung erscheint auch uns zweckmäßig.



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