1914-01-05-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R 14083
Zentraljournal: 1913-A-00323
Erste Internetveröffentlichung: 2017 November
Edition: Armenische Reformen
Telegramm-Abgang: 01/05/1914 11:40 PM
Telegramm-Ankunft: 01/06/1913 04:20 AM
Praesentatsdatum: 01/06/1914 a.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 10
Zustand: A
Letzte Änderung: 11/19/2017


Der Geschäftsträger der Botschaft Konstantinopel (Mutius) an das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht


Pera, den 5. Januar 1914

Im Anschluss an Tel. Nr. 709.

Ich fand den Grossvezier heute sehr erregt über die letzten Vorschläge des Herrn von Giers in der Armenierfrage. Nachdem in den letzten Tagen auch zwischen Herrn von Giers und mir immer nur davon die Rede gewesen war, dass die Pforte in der nach Abschluss der offiziellen Verhandlungen an die Mächte zu richtenden Note die Bestellung der beiden General-Inspekteure und ihre Befugnisse mitteilen solle, hat Herr von Giers gestern dem Grossvezier den Entwurf einer solchen Note vorgelegt, in der auch noch gewisse Prinzipien, nach denen die Inspekteure regieren sollen, festgelegt werden (Mitglieder der Selbstverwaltungskörper zur Hälfte Muselmanen und Nichtmuselmanen. Die Budget- und Gesetzgebungs-Funktionen der Generalversammlungen sollen im Sinne des Gesetzentwurfs von 1880 ausgedehnt werden, die ausgehobenen Soldaten sollen in Friedenszeit innerhalb des Sektors, aus dem sie stammen, dienen. Gebrauch der Landessprache für Gesetze, Dekrete und vor Gericht, Recht der Bevölkerung, besondere Abgaben für ihre Schulen zu erheben). Diese Forderungen entsprechen dem früheren Programm des Herrn von Giers (Bericht 339). Grossvezier erklärt mir heute, diese Prinzipien enthalten völlig unannehmbare Eingriffe in innere türkische Gesetzgebung. Ich habe Herrn von Giers dringend geraten, durch Ueberspannung seiner Forderungen nicht im letzten Augenblick das ganze Reformwerk scheitern zu lassen.


[Mutius]
[Jagow 6.1. an Botschaft St. Petersburg (Nr. 2)]

Zur vertraulichen Verwertung.

Baron Wangenheim hatte Constantinopel unter Eindruck verlassen, daß wegen armenischer Reformen volles Einvernehmen zwischen ihm und russischem Kollegen erzielt und Frage endgültig erledigt sei. Neuerdings scheint Herr v. Giers Forderungen zu verschärfen. K. Geschäftsträger Pera meldet 5. Januar:

[obiger Text]

Auch wir halten dringend erwünscht mühsam erreichte Verständigung nicht durch verschärfte Forderungen zu gefährden.



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