1916-04-01-DE-004
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Quelle: DE/PA-AA/R 20062
Zentraljournal: 1916-A-9025
Erste Internetveröffentlichung: 2017 Juni
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1915.06-1916.12
Praesentatsdatum: 04/07/1916 p.m.
Zustand: A
Letzte Änderung: 11/19/2017


Der Marineattaché in Athen (Redern) an den Admiralstab der Marine

Telegraphischer Bericht


Athen, den 1. April 1916

Abschrift.

III b. Ost. Nr. 16560.

Aus Salonik zurückgekehrter Marineoffizier des griechischen Generalstabes berichtet über den Fliegerangriff vom 27. März folgendes:

Bei Erscheinen deutscher Flugzeuge entstand bei der Entente größte Verwirrung, da Flugabwehr mangelhaft vorbereitet war. Zunächst Zweifel, ob Flugzeuge feindlich, Kriegsschiffe stellten Scheinwerfer erst 5,30 vorm. bei nahezu Tageslicht an, französische Flieger wurden in Automobilen und Wagen aus verschiedenen Nachtquartieren der Stadt nach dem Flugplatz Karaburnu gefahren. Erstes französisches Flugzeug stieg etwa eine Stunde nach der ersten Explosion auf.

Deutsche Flugzeuge warfen Bomben 25 Meter vom Hafenzollamt, manövrierten glänzend in Artilleriefeuer und bei erfolglosem französischen Luftangriff.

Deutsche Bomben fielen 10 Meter vom französischen Hauptquartier, dessen Soldaten mit dem Ruf „rettet euch“ in die umliegenden Judenhäuser flüchteten.

Panik unter dem englischen und französischen Militär in der Stadt unbeschreiblich, Ententetruppen wurden nicht alarmiert, liefen vor den Flugzeugen schreiend durch die Straßen. Griechisches Militär ist von 8 Uhr abends an in Kasernen konsigniert, die beiden griechischen Soldaten waren auf Wache am Hafen, wurden durch Ententegeschosse getroffen. Alle Ententeschiffe, auch Dampfer, schossen in Richtung der Stadt in die Luft, ebenso englische Artillerie in Lembet, größter Teil Zivilopfer, wurde durch Artillerie getroffen. In der Stadt wurden Schrapnellkugeln gefunden.

Entente verlor über 2000 Tote und Verwundete, meist englische Soldaten vom Lager Lembet, wo Munitionsmagazin explodierte und in einem benachbarten Sanitätsdepot die Hälfte des Sanitätsmaterials verbrannte. Bis 12 Uhr mittags erfolgten im Munitionsdepot Lembet Explosionen.

Stimmung der Bevölkerung von Saloniki - außer Juden - gegen die Entente, weil Hauptquartier und Truppen in der Stadt bleiben, anstatt Lager außerhalb zu beziehen.

Griechische Offiziere in Saloniki sind überzeugt, daß griechische Opfer unbedeutend wären, wenn zweckloses Artilleriefeuer unterblieben und der Angriff nur durch Flugzeuge abgewehrt worden wäre.

Bitte Quelle nicht kompromittieren.

Gleichlautend Sofia.

Bitte Generalstab mitteilen.


[von Redern.]



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