1916-05-04-DE-004
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Quelle: DE/PA-AA/R 20069
Zentraljournal: 1916-A-12191
Erste Internetveröffentlichung: 2017 Juni
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1915.06-1916.12
Praesentatsdatum: 05/09/1916 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: B. Nr. I. 61
Letzte Änderung: 11/19/2017


Der Geschäftsträger in Konstantinopel (Neurath) an den Reichkanzler (Bethmann Hollweg)

Bericht


Pera, den 4. Mai 1916

Abschriftlich Seiner Exzellenz dem Reichskanzler Herrn von Bethmann Hollweg zur geneigten Kenntnisnahme gehorsamst überreicht.

In Vertretung
Neurath
Anlage
Ersindjan, den 3. Mai 1916.

Für Botschafter, von Falkenhayn, Reichsmarineamt, Admiralstab, Souchon.

Reise bis Ersindjan planmaessig verlaufen. Strasse Angora-Sivas nur stellenweise schlecht, war ueberall auch fuer Lastautos passierbar. Alle Anlagen gut, an Ausbesserung wird an vielen Stellen durch Arbeiterbataillone gearbeitet. Enver’s Absicht grosszuegigen Lastautomobilverkehr bis Ausbau Bahnnetz einzurichten, ist ausfuehrbar. Strasse Sivas-Ersindjan fuehrt grossenteils im Hochgebirge und mehrfach über Paesse (?) bis 2000 Meter, daher naturgemaess teilweise sehr schwierig, auch hier wird viel gearbeitet. In Staedten und Doerfern Lebensmittel reichlich vorhanden und billig, fehlen nur Zucker und Petroleum. Zuckereinfuhr muesste mit allen Mitteln gefördert werden. Landschaft Kaisarie, Sivas ist weitausgedehntes Hochplateau mit sehr fruchtbarem Boden, Anbau im Verhaeltnis zur Bevoelkerungsdichte ueberraschend gross, uebersteigt weit eigenen Bedarf des Landes. Auch Gebirgsstrecke bis Ersindjan zeigt in Taelern fruchtbaren Boden und viel Anbau, Viehbestand ueberall gross. Zwischen Angora Ersindjan viel Kolonnen Fluechtlinge aus den von Russen besetzten Gebieten werden durch Etappen verpflegt und planmaessig angesiedelt. Zustand Leute trotz viermonatlicher Wanderung gut. Enver verteilt an sie Geld pro Familie ein Pfund. Fluechtlinge klagen weniger ueber Russen als ueber die Armenier. Enver ueberall gefeiert. Besichtigung in Staedten zeigte durchweg energische Foerderung von Schulen, Waisen- und Jugendfuersorge, einheimische Industrie und von Militaerbetrieben. Einrichtungen der ueberaus langen Etappenlinie noch nicht genuegend. In Staedten zahlreiche Depots, Truppen in gutem Zustand und vernuenftige Ausbildung. Ernaehrungszustand der Zug- und Tragtiere ueberraschend gut. Verpflegung III. Armee für naechste Monate gesichert, dann neue Ernte verfu[egbar]. In Gegend Angora Sivas ueber 1000 Waggons Getreide abgegeben werden, es fehlen aber Transportmittel. Auch hierfuer Vermehrung Lastautomobile nuetzlich.


[Lossow 9 Humann 6.]


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