1915-03-24-DE-005
Deutsch :: de
Home: www.armenocide.net
Link: http://www.armenocide.net/armenocide/armgende.nsf/$$AllDocs/1915-03-24-DE-005
Quelle: DE/PA-AA/R 19969
Zentraljournal: 1915-A-11316
Erste Internetveröffentlichung: 2012 April
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1911.01-1915.05
Praesentatsdatum: 03/30/1915 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 184
Zustand: A
Letzte Änderung: 06/17/2017


Der Botschafter in Konstantinopel (Wangenheim) an den Reichskanzler (Bethmann Hollweg)

Bericht



Nr. 184.

Pera, den 24. März 1915

Der Dardanellensieg hat einen wahren Sturm der Begeisterung wie im türkischen Volke so auch in der türkischen Presse hervorgerufen. Seit Tagen sind fast alle Leitartikel dem frohen Ereignisse und seinen politischen Folgen gewidmet. Das Regierungsblatt Tanin hebt vor allem den freundlichen Wiederhall hervor, den die Vernichtung der feindlichen Schiffe in der Presse der verbündeten Staaten gefunden hat, und dankt dieser für die begeisterte und warme Anerkennung des türkischen Waffenerfolges. Auf der anderen Seite weist er auf den schmerzlichen Eindruck hin, den das Ereignis im gegnerischen Lager hervorrufen muß. „Was auch der Gegner sagen mag, seine Situation ist in den Augen der ganzen Welt geschwächt.“

Bezüglich der Neutralen sagt er: „In Sofia wird jedermann aufatmen; in Rumänien werden diejenigen, die den Ereignissen mit Sorge folgten, Genugtuung empfinden; in Griechenland wird die öffentliche Meinung beginnen, die Vorteile des Sturzes Venizelos’ deutlicher zu erkennen. Mit einem Worte, aus diesem Kampfe wird die Türkei mit einem Gewinn an Achtung im Auslande hervorgehen.“

Ikdam erwähnt unter den Neutralen, deren Stellungnahme durch die Dardanellenschlacht beeinflußt werde, auch Spanien. Dieses besitze eine beachtenswerte Flotte, die das Gleichgewicht im Mittelmeere beeinflussen könne.

Sabah schreibt: Dank der Angriffe auf die Dardanellen sind wir in der Lage zu begreifen, daß die Konstantinopeler Frage der Gegenstand großer Unstimmigkeiten zwischen den Mächten des Dreiverbandes ist. Der Kampf vom 18. März war vielleicht eine notwendige Folge dieses Zwiespalts. Es scheint, als ob Frankreich und England schnell ein fait accompli schaffen wollten, um Rußland zu bestimmen, seine Ansprüche (bezüglich Constantinopels) zu mässigen und die neutralen Staaten des Südens zu beruhigen. Alle diese Berechnungen sind vor der Tapferkeit der türkischen Helden zuschanden geworden. Wenn der Angriff vom 18. geglückt wäre, so hätten die Franzosen und Engländer hoffen können, die Neutralen zu sich herüber zu ziehen und die Gründe der mit Rußland entstandenen Uneinigkeit verschwinden zu lassen. Aber die Niederlage, die diesem Unternehmen folgte, wird diese Uneinigkeit nur verschlimmern und die Neutralen wecken.

Tasvir-i-efkjar hebt den moralischen Eindruck des Sieges bei allen Völkern des Islams hervor.

Daß in keinem einzigen Blatte auch nur andeutungsweise der Verdienste der Deutschen um den Sieg gedacht wird, ist aus naheliegenden Gründen verständlich.


Wangenheim



Copyright © 1995-2018 Wolfgang & Sigrid Gust (Ed.): www.armenocide.net A Documentation of the Armenian Genocide in World War I. All rights reserved