1917-01-17-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14095
Zentraljournal: 1917-A-03267
Erste Internetveröffentlichung: 2003 April
Edition: Genozid 1915/16
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/01/2014


"Deutsche Tageszeitung"

Die Vernichtung der Mohammedaner in den besetzten Teilen Anatoliens.



Erschütternde Tatsachen treffen aus dem russischen Okkupationsgebiet in Anatolien ein. Die in der Krim erscheinende tartarische Zeitung „Terdshuman“ vom 8. November 1916 fleht die Mohammedaner in Rußland um Hilfe für die Glaubensbrüder an. Die Notlage ist eine unbeschreibliche. Zu Zehntausenden zählen die kaum bekleideten, barfüßigen, frierenden, hungernden Kinder. Die russischen Behörden im besetzten Gebiet kümmern sich um die Zivilbevölkerung nicht. Der ganzen Bevölkerung droht der Untergang, wenn nicht schnelle Hilfe eintrifft. Die einzige Nahrung der frierenden Kinder besteht aus den Abfällen, die sie sich bei den Soldatenküchen sammeln. Des Nachts müssen diese Unglücklichen in den Häuserruinen des verwüsteten Landes zusammengedrängt schlafen, um auf diese Weise gegen die Kälte anzukämpfen.

[Notiz des Auswärtigen Amts [nur maschinenschriftlich, vermutlich Abteilung III]]

Abschrift zu III 1358/17.

Vermerk:

Die hier erwähnten Leiden der Mohammedaner in Armenien (um diese Provinz handelt es sich bei der russischen Okkupation in Kleinasien) bilden das Gegenspiel zur Maßregelung der hochverratsverdächtigen Armenier durch die Türkische Regierung. Sie zeigen, daß die Armenier, wenn sie zur Herrschaft über die Mohammedaner gelangten, in noch unerbittlicherer Weise verfahren würden, als dies umgekehrt geschehen ist. (vergl. die in dem Aufsatz der „Kölnischen Zeitung“ vom 4. Januar 17 – Widmung für Herrn Wilson – abgedruckte Charakterisierung der Armenier durch den englischen Politiker Mark Sykes.)



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