1913-07-24-DE-003
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Quelle: DE/PA-AA/R 14080
Zentraljournal: 1913-A-15166
Erste Internetveröffentlichung: 2017 November
Edition: Armenische Reformen
Praesentatsdatum: 07/26/1913 a.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 227
Zustand: A
Letzte Änderung: 11/19/2017


Der Botschafter in St. Petersburg (Pourtalès) an den Reichskanzler (Bethmann Hollweg)

Bericht


St. Petersburg, den 24. Juli 1913

Die mir mitgeteilten Gesichtspunkte betreffend die Armenische Reformfrage habe ich in meinen Gesprächen mit Herrn Sazonow verwertet und ihm die Bedenken Euerer Exzellenz gegen das Mandelstam'sche Reformprojekt vorgehalten. Der Minister suchte diese Bedenken dadurch zu entkräften, dass, wie er behauptete, das gedachte Russische Reformprojekt keine wesentlichen Neuerungen gegenüber denjenigen Reformen enthalte, denen die Türkische Regierung im Jahre 1895 im Prinzip bereits zugestimmt habe. Es gehe dies aus einer Note hervor, welche die Türkei damals an die Botschafter gerichtet habe.

Gestern berührte Herr Sazonow mir gegenüber von Neuem die Frage der armenischen Reformen und erzählte mir, dass vor Kurzem wieder einflussreiche Armenier, darunter auch ein Duma-Abgeordneter, bei ihm gewesen seien, um ihm die Unhaltbarkeit der Zustände in den armenischen Vilajets zu schildern und ihm mitzuteilen, dass man dort nur auf einen Wink der Russischen Regierung warte, um den Aufstand ausbrechen zu lassen. Der Minister will sehr ernst geantwortet haben, die Russische Regierung denke gar nicht daran, einen solchen Wink zu erteilen, er würde es vielmehr für ein Verbrechen halten, die Armenier von hier aus zu hetzen.

Herr Sazonow bemerkte hierzu, ich könne daraus ersehen, in welch schwieriger Lage sich die Russische Regierung der Lage in Armenien gegenüber befinde, und wie sie schliesslich den Dingen nur ihren Lauf zu lassen brauche, falls sie nach einem Vorwande suchen wollte, um in Türkisches Gebiet einzurücken.

Es verdient hervorgehoben zu werden, dass Herr Sazonow diese Aeusserungen in demselben Gespräch tat, in welchem er kurz vorher von den Pressionsmitteln gesprochen hatte, die Russland sich eventuell genötigt sehen werde selbständig anzuwenden, um die Türkei in der Frage der Grenze in Thrazien zum Nachgeben zu veranlassen.


F. Pourtalès



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