1915-02-11-DE-004
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Quelle: DE/PA-AA/R 19954
Zentraljournal: 1915-A-05271
Erste Internetveröffentlichung: 2012 April
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1911.01-1915.05
Telegramm-Abgang: 02/11/1915 01:00 AM
Telegramm-Ankunft: 02/11/1915 09:05 AM
Praesentatsdatum: 02/11/1915 a.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 343
Zustand: A
Letzte Änderung: 10/23/2017


Der Botschafter in Konstantinopel (Wangenheim) an das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht



Nr. 343.

Pera, den 11. Februar 1915

Unter Bezugnahme auf Telegramm Nr. 91 vom 14. Januar. Geheim.

Der griechische Marineattaché Kriesis ist längere Zeit von einem Manne verfolgt und vor einigen Tagen auf der Perastraße tätlich belästigt worden, welchen der griechische Gesandte mir als einen Beamten der türkischen Polizei bezeichnete. Der Großwesir sagte mir streng vertraulich, die Regierung habe in der Tat Kriesis beobachten lassen. Der betreffende Agent habe sich sehr ungeschickt benommen und werde streng bestraft werden. Griechenland gegenüber werde er aber natürlich nicht zugeben, daß es sich um einen Regierungsbeamten gehandelt habe, da es sonst zu einem neuen Konflikt kommen müsse, den er vermeiden wolle.

Im tiefsten Vertrauen wolle er mir verraten, daß er „durch einen Zufall“ in den Besitz der griechischen Chiffres gelangt sei und nunmehr die geheime Korrespondenz Herrn Panas mit Herrn Venizelos kontrollieren könne. Die Entzifferungen bewiesen einwandfrei, daß Griechenland für Rußland Spionendienst leiste. Einige Telegramme seien Meldungen, welche der hier zurückgebliebene Sekretär der russischen Botschaft Serafimow Herrn Sassonow erstatte. Venizelos befördere dieselben von …[Gruppe fehlt]… nach Petrograd weiter. Besonders stark sei auch Kriesis kompromittiert. Man könne es ihm nicht verübeln, daß er den Genannten unter schärfste Beobachtung gestellt habe und nunmehr auch gegen die Helfershelfer Kriesis in der hiesigen Gesellschaft vorgehe. Er habe die griechische Regierung durch seine Kenntnis des Chiffres vollkommen in der Hand, wolle aber seine Macht nicht ausnutzen, solange ihm Venizelos keine ernsten Schwierigkeiten bereite.

Daß die griechische Gesandtschaft für Rußland spioniert, ist Euerer Exzellenz schon aus den bekannten Telegrammen meines früheren russischen Kollegen bekannt.


[Wangenheim]



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