1915-03-04-DE-005
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Quelle: DE/PA-AA/R 20179
Zentraljournal: 1915-A-7900
Erste Internetveröffentlichung: 2012 April
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1911.01-1915.05
Telegramm-Abgang: 03/04/1915 01:25 PM
Praesentatsdatum: 03/04/1915 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 33
Zustand: A
Letzte Änderung: 06/17/2017


Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt (Jagow) an den AA-Vertreter im Großen Hauptquartier (Treutler)

Telegraphischer Erlaß



No. 33.

Berlin, den 4. März 1915.

Abschrift

Für Exzellenz von Falkenhayn:

Vertraulich! Griechischen Zeitungsberichten zufolge passierten am 2. d.M. 9 Schiffe mit Truppen begleitet von französischen Kriegsschiffen Cap Malras Richtung Dardanellen.

Dies bestätigt meine bereits neulich geäußerte Vermutung daß Marseiller Truppentransporte gegen Türkei bestimmt seien. Landangriff auf Dardanellen von kleinasiatischer Seite dürfte geplant sein. Entente scheint ganze Aktionskraft gegen Meerengen und Konstantinopel einsetzen, England, um Egypten und Indien zu retten, Türkei lahmlegen zu wollen, selbst für den Preis der Überlassung Konstantinopels an Rußland.

Dardanellen können sich ohne genügend Minen und Munition nach Aussage türkischen Botschafters und anderer Autoritäten gegen forcierte Angriffe höchstens 3 - 4 Wochen halten. Es ist öfters englischer Plan verlautbart, im Falle der Notwendigkeit einer Überlassung Konstantinopels an Rußland, Südküste der Dardanellen an Griechenland, Nordküste bis Rodosto an Bulgarien zu geben um so Tampon gegen Russland zu bilden. Ganze kleinasiatische Küste dicht von Griechen bevölkert. Lage in Griechenland ist fast über Nacht recht kritisch geworden durch englischen Druck und Erregung der Volksstimmung welche Teilnahme Griechenlands an „Befreiung Konstantinopels“ fordert. Venizelos und König geneigt dieser Stimmung nachzugeben Königin sehr besorgt.

Sollten Dardanellen und Konstantinopel fallen, so würde dies nicht nur großen moralischen Erfolg der Entente mit immer mehr Rückwirkung auf gesamten Islam und Existenzgefährdung der Türkei sowie Neubelebung des Kriegseifers in Rußland und Frankreich und damit Verlängerung des Krieges bedeuten, sondern auch alle Balkanstaaten (Bulgarien und Rumänien) in die Arme der Entente zwingen.

Einziges Gegenmittel wäre deutsch-oestereichischer Gegenangriff auf Serbien und Freimachung der Donaustrecke bei Orzowa, wodurch Vertrauen und Achtung vor uns bei Balkanstaaten gestärkt und Verproviantierung der Türkei ermöglicht würde. Anderenfalls letztere eventuell abgeschnitten und egyptischer Feldzug ebenfalls vereitelt. Bisher noch keine Meldung eingegangen, daß Munitionstransport rumänisch-bulgarische Grenze passiert hat.

Möchte mit obigem Euere Exzellenz nur auf Ernst und Dringlichkeit der Lage hinweisen.


[Jagow]



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