1916-06-07-DE-005
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Quelle: DE/PA-AA/R 20076
Zentraljournal: 1916-A-15443
Erste Internetveröffentlichung: 2017 Juni
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1915.06-1916.12
Praesentatsdatum: 06/11/1916 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 246
Zustand: A
Letzte Änderung: 11/19/2017


Der Gesandte in Bukarest (Bussche-Haddenhausen) an den Reichskanzler (Bethmann Hollweg)

Bericht


Bukarest, den 7. Juni 1916

Herr Bratianu sagte mit heute, der rumänische Militärattaché in Konstantinopel, Kommandant L. Trantomir, habe sich ihm gegenüber sehr optimistisch über die Türkei geäussert. Die deutschen Offiziere, namentlich General Liman von Sanders, hätten Unglaubliches mit dem türkischen Material geleistet. Das türkische Heer sei jetzt ganz anders wie früher. Liman von Sanders sei es zu verdanken, dass die Dardanellen gehalten worden seien; ohne seine unermüdliche Tätigkeit bei Tag und bei Nacht würde es den Engländern gelungen sein, durchzukommen. Liman von Sanders habe sich lange Zeit hindurch nicht gut mit Enver Pascha gestanden; jetzt ginge es besser, Goltz’s Vermittelung habe günstig gewirkt.

Kommandand Trantomir ist der Ansicht, dass die Russen nichts in Kleinasien machen könnten, aber auch die Türken würden nicht in der Lage sein, die Russen wieder ganz hinauszudrängen. Es werde auch dort zum Schützengrabenkrieg kommen. Die Russen hätten zwei grosse Fehler begangen. Sie hätten nicht nach Trapezunt gehen, sondern stärkere Kräfte gegen Mossul, Bagdad einsetzen sollen und ferner hätten sie die Verbindung mit den Engländern nicht südlich von Kut-el-Amara suchen, sondern zwischen Bagdad und Kut-el-Amara vorstossen müssen. Ich bemerkte Bratianu, dass die bei Fellachieh zu den Engländern gestossenen russischen Kräfte ganz geringe seien.

Herr Tratomir meint, dass die Russen in der Nähe von Konstantinopel nicht landen könnten.

Was die Nahrungsfrage anlange, so hätten die Türken zu viel Saatgetreide requiriert. Die Ernte werde daher nicht gut sein. Das Heer würde aber immer genug haben, und die Zivilbevölkerung, auch die christliche, sei so wenig anspruchsvoll, dass sie sich durchhungern werde.

Die Beziehungen zwischen Türken und Bulgaren sind nach Trantomir nicht gut, das habe er – Bratianu – auch aus Bulgarien gehört, weil die Türken die Abtretung der Gebiete bei und südlich Adrianopel noch immer nicht im Parlament bestätigt hätten. Die Türken wollten das nicht tun, weil sie hofften, dass der Krieg so günstig auslaufen würde, dass sie das Gebiet behalten könnten.


Bussche



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