1915-04-18-DE-002
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Quelle: DE/PA-AA/R 19975
Zentraljournal: 1915-A-13376
Erste Internetveröffentlichung: 2012 April
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1911.01-1915.05
Telegramm-Abgang: 04/18/1915 01:25 AM
Telegramm-Ankunft: 04/18/1915 05:30 AM
Praesentatsdatum: 04/18/1915 a.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 912
Zustand: A
Letzte Änderung: 06/17/2017


Der Botschafter in Konstantinopel (Wangenheim) an das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht



Nr. 912.

Pera, den 18. April 1915

Unter Bezugnahme auf Telegramm Nr. 753.

Unter den „Generalen“ welche [der deutsche Agent] Rotschild als Gäste des [Kairoer] Hotels Schepheard erwähnt, befinden sich auch der frühere französische Militärattaché in Konstantinopel Oberstleutnant Maucorps und der Reserveleutnant Graf St. Quentin, zuletzt Legationssekretär der hiesigen französischen Botschaft. Daß beide Herren sich in Cairo aufhalten, war hier bekannt. Die Angabe über die Stärke der verschiedenen Kontingente erscheint reichlich hoch gegriffen. Dagegen könnte Rothschild mit seiner Mutmaßung, daß ein Angriff auf die südliche Türkei beabsichtigt sei, das richtige getroffen haben. Tatsächlich scheint nach dem 18. März und infolge der Kontroversen über das spätere Schicksal Konstantinopels der Kriegsplan unserer Gegner dahin modifiziert worden zu sein, daß es nunmehr jedem der Alliierten überlassen bleibt, sich derjenigen türkischen Gebietsteile zu bemächtigen, welche ihm nach dem Teilungsprojekt zufallen sollen. Dabei dürfte bei England und Frankreich die Hoffnung mitsprechen, daß Rußland der Angriff auf Konstantinopel mißlingt. Erstere beiden Länder haben ein gemeinsames Interesse uns aus Frankreich und Belgien zu vertreiben. Es könnte nicht überraschen, wenn sie dieses Ziel nunmehr dadurch zu erreichen versuchen, daß sie sich in den Besitz größerer türkischer Gebietsteile setzen, welche sie beim Friedensschluß nur dann räumen würden, wenn auch wir unsere Eroberungen aufgeben. Südlich des Taurus liegen die Chancen für militärische Operationen gegen die Türkei schon wegen der türkenfeindlichen arabischen Bevölkerung wesentlich günstiger als im Norden. Auch verdient Egypten als Operationsbasis den Vorzug vor Lemnos oder Tenedos. Was augenblicklich vor den Dardanellen vorgeht, hat wohl nur demonstrativen Charakter.


[Wangenheim]



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