1914-06-25-DE-003
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Quelle: DE/PA-AA/R 13194
Zentraljournal: 1914-A-13394
Erste Internetveröffentlichung: 2012 April
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1911.01-1915.05
Praesentatsdatum: 07/07/1914 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 62.
Zustand: A
Letzte Änderung: 06/17/2017


Der Konsul in Aleppo (Rößler) an den Reichskanzler (Bethmann Hollweg)

Telegraphischer Bericht



K.No.62/J.No. 1272

Aleppo, den 25. Juni 1914

Wie nach verschiedenen anderen Teilen der asiatischen Türkei sind in den letzten Monaten auch nach Aleppo Auswanderer aus den ehemaligen türkischen Gebieten gebracht worden. Im März sind etwa 1200 aus Tripolitanien über Alexandrette hier eingetroffen, denen bald weite aus den griechischen, montenegrinischen und serbischen Gebieten folgten, sodass nach zuverlässigen Angaben wenigstens 4000 dieser Flüchtlinge hier in der Stadt liegen und mangels anderer Unterkunft grösstenteils die Moscheen füllen. Bisher hat sich die türkische Verwaltung unfähig erwiesen, sie anzusiedeln. Zuerst bestand die Absicht, den Leuten aus Tripolis bei Rakka Land zu gewähren. Da es ihnen aber dort nicht gefiel, so haben sie sich geweigert, den Vorschlag anzunehmen. Ebensowenig ist ein zweiter Vorschlag, sie in der Landschaft el Hamra im Bezirk von Membidj anzusiedeln, bisher ausgeführt worden. Dann wurden Einwanderer aus dem Balkan für Rakka bestimmt, sind aber auch nicht hingegangen, sei es dass die für die Ansiedlung ausgeworfenen Summen noch nicht flüssig sind, sei es dass die Organisation versagt, sei es schliesslich, dass ein von Seiten der Araber erhobener Widerspruch Beachtung gefunden hat. Die Araber sehen die Hersendung so grosser Mengen von Einwanderern als einen Versuch der Regierung an, durch Ansiedlung fremder Bevölkerungsteile ein Element zu schaffen, das erforderlichenfalls gegen sie verwendet werden kann. Unleugbar ist es auch auffallend, dass Auswanderer aus dem Balkan in das ihnen ungewohnte heisse Klima geschickt werden, anstatt nach Anatolien, wo sie sich eher akklimatisieren könnten.

Es heisst, dass gegenwärtig erwogen wird. sie in türkisch sprechenden, von Armeniern bewohnten Teile des Wilayets Aleppo, nämlich in den Mutesarrifliks Aintab und Marasch anzusiedeln. Vorläufig liegen die Leute zum grossen Teil beschäftigungslos in der Stadt herum und bilden eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Gesundheit. Ein grosser Teil der Bedauernswerten versteht keine andere Sprache als eine slavische.

Gleichen Bericht lasse ich der Kaiserlichen Botschaft zugehen.


Rößler



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