1916-02-11-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14090
Zentraljournal: 1916-A-04216
Erste Internetveröffentlichung: 2000 März
Edition: Genozid 1915/16
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 59
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Botschafter in außerordentlicher Mission in Konstantinopel (Wolff-Metternich) an den Reichskanzler (Bethmann Hollweg)

Bericht



Nr. 59

Pera, den 11. Februar 1916

Abschrift.

1 Anlage

Euerer Exzellenz beehre ich mich im Anschluß Abschrift einer mir vom Abgeordneten Erzberger übergebenen Aufzeichnung vorzulegen über die Unterredungen, welche er mit Enver Pascha und Talaat Bey bezüglich der Armenierfrage und der christlichen Interessen in der Türkei gehabt hat. Ähnliche Zusagen haben die türkischen Minister auch mir bekanntlich wiederholt gegeben, ohne daß ich bisher eine Einlösung derselben wahrnehmen konnte. Ob der Schritt des Herrn Erzberger nachhaltiger wirken wird, erscheint mir vorerst recht zweifelhaft.


[Metternich]

Anlage


Abschrift.

Unterredung des Abgeordneten Erzberger am 10. Februar 1916 betr. Armenierfrage und Christenfrage im Orient.

1. mit Enver Pascha, der zusagte, daß keine weiteren Maßnahmen gegen die Armenier erfolgen werden. Die vertriebenen Armenier werden in geschlossenen Ortschaften angesiedelt. Religionsfreiheit werde garantiert.

2. mit Talaat Bey (Minister des Innern), der als Kriegsziel die volle Unabhängigkeit der Türkei bezeichnete, Deutschland möge sich über alle Fragen mit der Türkei verständigen, auch über den Ersatz der Kapitulationen. Dann lasse sich alles regeln. Die Öffnung der armenischen Kirchen werde erfolgen. Die Ansiedelung der vertriebenen Armenier in geschlossenen Dörfern geschehe in der Weise, daß ihnen mindestens dieselbe Fläche an anbaufähigem Land zugewiesen werde, die sie vorher besessen haben.

Vertreibungen oder Gewaltmaßregeln gegen die Christen in Syrien seien ausgeschlossen. Nur einzelne Personen hätten sich dort vergangen. Die Priester- und Lehrerseminarien könnten wieder geöffnet werden, nur dürfe der türkische Staatsgedanke beim Betrieb des Unterrichts nicht leiden, worauf ich beruhigende Aussagen geben konnte.

Die gesamten Fragen soll ich in einer Denkschrift den beiden Ministern unterbreiten, welche nach meiner Ankunft in Deutschland ausgearbeitet und durch die Botschaft in Konstantinopel überreicht werden wird.


E.

Talaat Bey wünscht die baldigste Entsendung des gewünschten Unterstaatssekretärs, der dann nach seinen Vorschlägen weitere Kräfte beiziehen könne.

[Erzberger]


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