1915-02-02-DE-003
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Quelle: DE/PA-AA/R 20177
Zentraljournal: 1915-A-04213
Erste Internetveröffentlichung: 2012 April
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1911.01-1915.05
Telegramm-Abgang: 02/02/1915 11:15 PM
Telegramm-Ankunft: 02/03/1915 05:20 AM
Praesentatsdatum: 02/03/1915 a.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 116
Zustand: A
Letzte Änderung: 10/23/2017


Der Gesandte in Athen (Quadt zu Wikradt und Isny) an das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht



Nr. 116.

Athen, den 2. Februar 1915

Seine Majestät der König sagte mir neulich, er legt Wert darauf, mich über alle wichtigsten Vorgänge, welche uns berühren zu informieren, es sei aber zu auffällig, wenn er häufig, sei es mit mir, sei es mit Mitgliedern der Gesandtschaft verkehre. Er werde deshalb, wenn er etwas für mich habe, sich Baron Schenk kommen lassen. Dies hat Seine Majestät heute getan. Baron Schenk berichtet über Äußerungen des Königs nachstehendes:

„Die Entente fortfährt auf die Regierung und Volksstimmung durch große Versprechungen zu drücken und einzuwirken. In Kleinasien verspricht sie ein Gebiet von etwa 139000 Quadratkilometer, was angesichts der dort lebenden von der Türkei verfolgten Griechen im Volk Wiederhall findet. Ebenso wird jede Nachricht von Unterstützung Bulgariens in finanzieller Beziehung von der Entente als direkt gegen Griechenland gerichtet ausgelegt und ausgebeutet. Aus vorstehenden Gründen wäre es als Gegengewicht äußerst erwünscht, wenn ohne Bezug auf diese private Anregung, gleichsam als Fortsetzung des Telegramms des Auswärtigen Amts in Berlin Nummer 55 {A 3155, 3181}, das beruhigend gewirkt hat, noch folgende Erklärungen gegeben werden könnten:

Erstens: Deutschland verpflichtet sich, seinen ganzen Einfluß in der Türkei zu Gunsten des griechischen Elements in Kleinasien während und nach dem Kriege geltend zu machen.

Zweitens: Deutschland verspricht, die Inselfrage zwischen der Türkei und Griechenland in einer Griechenland befriedigenden, d.h. die griechischen Gefühle nicht verletzenden Weise zu lösen und falls sich die Türkei dagegen sträuben würde, diese weder militärisch noch politisch hierin zu unterstützen.

Drittens: Wenn möglich eine beruhigende Erklärung über die Unterstützung Bulgariens seitens Deutschlands.

Außerdem erscheine es wünschenswert, wenn das Auswärtige Amt genauer die von ihm in dem Telegramm Nr. 55 allgemein bezeichneten Landstrecken mit Grenze angeben würde. Dies aber in gesondertem Telegramm zur Ermöglichung von Rückfragen vor offizieller Abgabe an Regierung.

Seine Majestät der König sagte ferner Baron Schenk noch, er habe das Telegramm Seiner Majestät des Kaisers Venizelos gezeigt, auf den es starken Eindruck gemacht habe.


[Quadt]
[Zimmermann am 4.2. an Botschaft Athen (Nr. 90)]

Antwort auf Tel. Nr. 116 und Anschluß an Tel. Nr. 55.

Wir haben uns durch unsere Freundschaft für die Pforte weder vor noch seit Kriegsausbruch vom Eintreten für das griechische Element in der Türkei abhalten lassen. Von Griechenland abhängt, ob wir die Möglichkeit behalten, künftig im gleichen Sinn zu wirken. Wir werden es an gutem Willen nicht fehlen lassen und auch in anderen griechisch-türkischen Streitfragen z.B. wegen der Inseln gern den ehrlichen Makler spielen. Von Bulgarien verlangen wir vorläufig nichts als Neutralität. Wir stehen dafür ein daß die Griechen bugarischerseits nichts zu fürchten haben solange Griechenland nicht den Bulgaren in den Weg tritt.


[Zimmermann am 4.2. an Botschaft Athen (Nr. 91)]

Im Anschluß an Tel. Nr. 90. Geheim.

Die Anregung wegen genauer Abgrenzung der fraglichen Landstrecken wird am besten mit Stillschweigen übergangen. Falls dies auf die Dauer nicht möglich anheimstelle zu erwidern daß wir zunächst nähere Darlegung der griechischen Wünsche anheimgeben müßten.



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