1916-04-08-DE-003
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Quelle: DE/PA-AA/R 20063
Zentraljournal: 1916-A-9203
Erste Internetveröffentlichung: 2017 Juni
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1915.06-1916.12
Telegramm-Abgang: 04/08/1916 02:00 PM
Telegramm-Ankunft: 04/08/1916 11:35 PM
Praesentatsdatum: 04/09/1916 a.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 176
Zustand: A
Letzte Änderung: 11/19/2017


Der Gesandte in Athen (Mirbach) an das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht


Athen, den 8. April 1916

Für Nachrichtenabteilung Pleß:

Kriegsberichterstatter Passarge aus Nordepirus zurückgekehrt, meldet: „Italiener: In Albanien rund 60000 Mann, jedenfalls über 50000, alles jüngere Truppen der während Krieg ausgehobenen Jahrgänge. Neue …[2 Gruppen unverständlich]… en regelmäßig etwa alle 5 Tage, in Stärke von 1500 bis 2500 Mann. Rekrutierte Albanesen, zwischen 1000 und 4000, dienen als Polizei an ganzer griechisch-albanischer Grenze, sind ausgerüstet wie italienische Infanterie. Italienische Linie beginnt nördlich Valona bei Mifoli, läuft Vjosa entlang bis gegenüber Vasiari, biegt dort zwischen Martolosi und Saliari nach Süden, hält die bereits griechischen Höhen der Diopesi- unnd Tartaros-Berge mit rückwärtig eingebauter schwerer Artillerie, die mit je 50 Maultieren herausgeschafft wurde, schließt Smoktina ein, die Pelivsitza-Berge, springt nach Westen zurück über Ntermpatzi stößt endlich über Höhe 1305 nördlich Paljasa an das Meer. Mpolaina, Vranischta, Paljasa sind griechisch besetzt. Italienische Front gegen österreichische sorgfältig durch große Sprengungen mit schwerer Artillerie bestückt, strategisch sehr günstig wegen fast durchgehender Überhöhung, Tal der Vjosa breit und völlig eingesehen. Bei Selisti und Dorza sollen Brücken über den Vjosa gebaut werden, ob rechtes Ufer bereits besetzt, nicht sicher. Alle Stellungen durch eingesprengte Straßen verbunden. 40000 Mann stehen an dieser Front. Gegen Griechenland ist strategischer Plan bei notwendigem Rückzug in Tal der Souvitza (Susica) zwischen Ntermpatzi und Smiktina durchzustoßen. Stellungen vom Meer bis Ntermpatzi und von Smoktina bis Vjosa-Fluß werden zur Verteidigung hergerichtet mit Stacheldrähten und gedeckten Schützengräben. Verteidigungsstellungen Smoktina-Vjosa kürzlich durch 2 Kompanien und ein Regiment verstärkt. Gegen Griechenland angesammelte Truppen auf 15000 geschätzt. Italienische Artillerie hat Einblick in alle durchweg niedrig gelegenen griechischen Stellungen.

Griechen: Griechische Kräfte in ganz Nordepirus etwa 4700 Mann, davon großer Abgang durch die notwendige Besatzung aller kleinen Orte, Auf eine Unterredung mit General Milliotis, Kommandant von Janina, gingen 2 Kompanien Ewzonen von Janina zur Verstärkung nach Grenze ab. Verteidigungssystem durchaus ungenügend. Griechen haben 2 alte Gebirgsgeschütze und, nach türkischer Angabe, etwa 30 Maschinengewehre, sind mit türkischen Flinten und erbeuteter türkischer Munition ausgerüstet. Was ich an Schützengräben bei Satiari sah, waren kleine Furchen im Gestein. Fortwährend weiden im kritischen Gebiet die Herden der unsteten Flüchtlinge, die über Grenze hin- und her wechseln. Italiener sehen von ihren Höhen alle Einrichtungen ein. Griechen rechnen auf unwegsames Gelände und den ihnen vorteilhaften Kleinkrieg. Da aber schweres Geschützfeuer sie überall absperren kann, erscheint mir geplanter italienischer Durchstoß in Souvitza (Susica) leicht und nicht zu verhindern.

Allgemeines: In Nordepirus bis hinunter nach Janina herrscht größte Unruhe wegen italienischem Einmarsch und der feste Wille, alles zu tun, um Feind nicht herein zu lassen. General Milliotis will seinen Abschied verlangen, wenn er den Befehl erhalten sollte, sich zurückzuziehen. Oberst Zerulis, Kommandant des Abschnitts von Tepeleni, gab mir ehrenwörtliche Versicherung, er würde auf eigene Faust mit zahlreichen anderen Offizieren und Mannschaften (größtenteils Epiroten) Krieg gegen Italien führen, auch wenn griechische Regierung ihn desavouieren sollte. Die Bevölkerung wird sicher geeint hinter ihm stehen.“

Sofia benachrichtigt.

Militärattaché Athen.


[Mirbach]



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