1916-06-08-DE-004
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Quelle: DE/PA-AA/R 20076
Zentraljournal: 1916-A-15315
Erste Internetveröffentlichung: 2017 Juni
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1915.06-1916.12
Telegramm-Ankunft: 06/09/1916 04:55 AM
Praesentatsdatum: 06/10/1916 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 202
Zustand: A
Letzte Änderung: 11/19/2017


Der Gesandte in Athen (Mirbach) an den Admiralstab der Marine

Telegraphischer Bericht


Athen, den 8. Juni 1916

Nachdem General Sarrail am 3. Juni in dem von Ententetruppen besetzten Teil Mazedoniens Belagerungszustand verhängt, hat Entente am 6. Juni angefangen, Saloniki zu blockieren. Am 7. Juni wurde die Blockade auf alle griechischen Häfen ausgedehnt. Zweck der Blockade ist Lahmlegen der griechischen Schiffahrt, der Haupterwerbsquelle des Landes. Folge der Massnahme wird Teuerung auf allen Gebieten, besonders Kohlennot, sein.

Veranlassung zu diesen Schritten der Entente kann meiner Ansicht nach nur die Furcht gewesen sein, dass bei weiterem Vordringen der deutsch-bulgarischen Truppen in Mazedonien Griechenland auf die Seite der Zentralmächte aus der Neutralität heraustreten könnte. Diese völlig unbegründete Angst beweist die Nervosität der leitenden Persönlichkeiten der Entente in Griechenland.

Die griechische Regierung erwartet weitere Massnahmen der Entente wie Forderung der Demobilmachung der griechischen Armee und des Rücktritts des Ministerpräsidenten. Ententemächte handeln unter dem Deckmantel der Schutzmächte Griechenlands.

Es ist anzunehmen, dass die griechische Regierung weiter nachgeben muss.

Venizelos und Entente dürften im Augenblick der Demobilmachung die Hoffnung aufgegeben haben, dass Griechenland seine Neutralität zugunsten der Entente aufgibt.


[Mirbach]

Abschrift für Auswärtiges Amt.

R.M.A



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