1915-03-04-DE-007
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Quelle: DE/PA-AA/R 20179
Zentraljournal: 1915-A-7988
Erste Internetveröffentlichung: 2012 April
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1911.01-1915.05
Telegramm-Abgang: 03/04/1915 06:30 PM
Telegramm-Ankunft: 03/04/1915 08:55 PM
Praesentatsdatum: 03/05/1915 a.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 521
Zustand: A
Letzte Änderung: 06/17/2017


Der Botschafter in Konstantinopel (Wangenheim) an das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht



Nr. 521.

Konstantinopel, den 4. März 1915.

Antwort auf Telegramm Nr. 392 {A 7610}.

Bei der <gegenwärtigen nationalen Erregung des türkischen Volkes wäre es nicht ratsam die Frage der Inseln und der Garantien anzuschneiden. Die türkische Regierung braucht den Nationalismus um die Kriegsstimmung beim Volk zu erhalten. Darunter leiden alle Fremden, auch wir. Andererseits ist es mir im Laufe des Kriegs gelungen die Pforte zu überzeugen, daß die Schonung der Neutralen eine Notwendigkeit der gemeinsamen Kriegführung ist. Großwesir und Talaat Bey tun ihr Möglichstes um die griechische Bevölkerung zufrieden zu stellen. Die maßvolle Haltung der Pforte wird auch von allen einsichtigen hiesigen Griechen namentlich auch von Patriarchen ebenso anerkannt wie das provokatorische Auftreten des Herrn Panas von ihnen gemißbilligt wurde. Wenn Griechenland seine Neutralität aufrechterhält und ihr weiter eine wohlwollende Form gibt wie sie in der Ernennung von Herrn von Streit zum Ausdruck gekommen ist, so bin ich fest davon überzeugt, daß die Türkei sich nach dem Krieg dafür dankbar erweisen wird. Die Türkei ist vielleicht das einzige Volk von dem man noch eine Dankbarkeit im politischen Sinn erwarten kann. Siegen wir dann so wird unser Einfluß hier so schwer sein, daß wir zweifellos die Inselfrage deren Bedeutung dann ganz zurückgetreten sein würde, einer befriedigenden Lösung entgegen zu führen vermöchten. Wir könnten Griechenland schon jetzt die bindende Versicherung abgeben, daß wir nach einem siegreichen Kriege unsere schützende Hand über die ottomanischen Hellenen halten werden. Tritt Griechenland aus seiner Neutralität heraus, so leistet es damit der durch wahnsinnigen Haß genährten englischen Politik Handlangerdienste deren Endziel jetzt die Übergabe der Meerenge an Rußland zu sein scheint. (Nach hiesigen Nachrichten scheinen die Entente-Mächte allerdings die Gründung eines souveränen Meerengen-Staates unter einer internationalen Kommission in Aussicht gestellt zu haben in der Griechenland vertreten sein würde). Sollte sich Griechenland gegen alle politische Vernunft jetzt unseren Gegnern anschließen so würden die ottomanischen Griechen die ersten Opfer eines solchen Schrittes und schutzlos der türkischen Rache preisgegeben sein. Das würde sich zunächst bei der eventuellen Beschießung Constantinopels zeigen.>


[Wangenheim]
[Jagow am 5.3. an Treutler (Nr. 45)]

Ich habe die in Tel. Nr. 24 [nicht bei den Akten dieser Reihe] wiedergegebene Meldung aus Athen auszugsweise nach Konstantinopel mitgeteilt und um Äußerung gebeten was etwa zur Stärkung des Königs gegenüber Venizelos gesagt werden könnte.

Frhr. v. Wangenheim antwortet: <ins. aus A 7988> [mit einigen stilistischen Korrekturen]

Diese Antwort hat sich mit einem weiteren diesseitigen Telegramm gekreuzt worin Freiherr v. Wangenheim von der Zuspitzung der Lage in Griechenland und meiner aus Tel. Nr. 24 ersichtlichen Antwort nach Athen unterrichtet wurde.



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