1915-05-09-DE-004
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Quelle: DE/PA-AA/R 20184
Zentraljournal: 1915-A-15601
Erste Internetveröffentlichung: 2012 April
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1911.01-1915.05
Telegramm-Abgang: 05/09/1915 04:20 PM
Telegramm-Ankunft: 05/09/1915 12:45 AM
Praesentatsdatum: 05/10/1915 a.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 536
Zustand: A
Letzte Änderung: 06/17/2017


Der Gesandte in Athen (Mirbach) an das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht



Nr. 536.

Athen, den 9. Mai 1915

Der gestrige Tag war, ohne eigentlichen zwingenden Anlaß, ausschließlich infolge allgemeiner Ratlosigkeit und Zerfahrenheit wieder einmal einigermaßen kritisch.

Es erweist sich immer mehr, daß der nervöse Dilettantismus Zographos mindestens die gleichen Gefahren birgt, wie Herrn Venizelos abenteuerliche Politik großen Stils.

Auf Grund aufgeregter Depeschen Herrn Kaios, bezw. des Prinzen Georg, erklärte Zographos gestern Griechenlands sofortiges Heraustreten aus der Neutralität für unabweisbar und begab sich eiligst zum König, um auch Seine Majestät hiervon zu überzeugen. Er konnte indessen nicht empfangen werden, da der König gestern infolge leichter Ischiasanfälle das Zimmer hütete und sein Unwohlsein als Vorwand nehmen konnte, um Zographos nicht sehen zu müssen.

Herr Gunaris bleibt weiter im Interesse der Neutralitätspolitik bemüht; seiner Energie in der Bekämpfung gegenteiliger Einflüsse scheinen aber auch gewisse Grenzen gesteckt: zu dem einzig richtigen Entschluß, seinen gänzlich unbotmäßig geworden Kollegen vom Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten schleunigst auszuschalten, hat er sich z.B. noch immer nicht aufgeschwungen.


[Mirbach]



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