1916-04-25-DE-003
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Quelle: DE/PA-AA/R 20066
Zentraljournal: 1916-A-10758
Erste Internetveröffentlichung: 2017 Juni
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1915.06-1916.12
Telegramm-Abgang: 04/25/1916 06:30 PM
Telegramm-Ankunft: 04/25/1916
Praesentatsdatum: 04/25/1916 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 583
Zustand: A
Letzte Änderung: 11/19/2017


Der Botschafter in außerordentlicher Mission in Konstantinopel (Wolff-Metternich) an das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht


Pera, den 25. April 1916

Halil Bey sagte mir, im Falle Bruchs zwischen Deutschland und Amerika wäre Türkische Regierung ebenso wie im Falle Portugal bereit, unserem Wunsch gemäß zu verfahren, also Beziehungen abzubrechen oder Krieg zu erklären oder aber neutral zu bleiben. Er ließ durchblicken, daß es Türkischer Regierung gar nicht unerwünscht wäre, die Hand auf die amerikanischen Schulen und Wohlfahrtseinrichtungen zu legen.

In Türkei befinden sich etwa 3000 amerikanische Missionare und viele reiche Anstalten, die für Amerika großes politisches und wirtschaftliches Kapital darstellen. Könnte die Türkei im Falle eines Krieges dazu bewogen werden, die Missionare in Konzentrationslager zu bringen, so würde Amerika dadurch empfindlich getroffen werden. Im Falle Portugal war es nicht nützlich, durch türkische Kriegserklärung neuen Anspruch auf unsere Dankbarkeit zu schaffen. Im Falle Amerika müßten wir mit allen Mitteln suchen, die Türkei fest in den Krieg hineinzutreiben und an uns zu fesseln, sodaß sie nicht mehr los kann. Dies auch schon deshalb, damit Amerika hier nach dem Krieg nicht überragende wirtschaftliche Stellung erlangt.

Leider bin ich ohne jede amtliche Kenntnis der wichtigsten Episode, die sich in jetzigem Krieg vorbereitet.


[Metternich]



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