1916-06-16-DE-003
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Quelle: DE/PA-AA/R 20078
Zentraljournal: 1916-A-16255
Erste Internetveröffentlichung: 2017 Juni
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1915.06-1916.12
Telegramm-Abgang: 06/16/1916 11:00 PM
Telegramm-Ankunft: 06/20/1916 05:00 AM
Praesentatsdatum: 06/20/1916 a.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 372
Zustand: A
Letzte Änderung: 11/19/2017


Der Gesandte in Athen (Mirbach) an das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht


Athen, den 16. Juni 1916

Für Chef des Generalstabes des Feldheeres.

Geheim.

Im Gespräch über politische Lage anführte Metaxa 16. Juni:

„Blockade fortdauert ohne daß bisher irgend eine Erklärung der Ententemächte erfolgt ist. Zunächst könnte man an Uneinigkeit der Ententemächte glauben; Verhalten gewinnt aber jetzt Anschein von Berechnung. Ziel der Entente bleibt Sturz der Regierung und (obwohl Entente anscheinend Demobilisierung wünscht) Verhinderung der Demobilmachung durch die Blockade, damit eine neue ententefreundliche Regierung noch über die kriegsstarke Armee verfügt.“

Presse ergeht sich täglich in Vermutungen über Forderungen, die Entente stellen wird; es sind aber bisher nur Vermutungen ohne positive Grundlage. Metaxa vertritt, wie er mir in aller strengsten Vertrauen mitteilt, bei Ministerpräsidenten Standpunkt, daß Regierung alle Forderungen, die Entente stellen wird, nach alledem wohl annehmen soll, um sich selbst wenigstens noch so lange zu halten bis Demobilisierung durchgeführt ist. Etwas resigniert ließ Metaxa durchblicken, daß er selbst eines der Opfer der Ententeforderungen sein wird, und schloß:

„Das sind die Folgen von Ruppel. Wir haben getan, was wir konnten, um Sie zu warnen; aber man muß in Deutschland wohl Nachrichten aus anderen Quellen gehabt haben, denen man mehr als uns geglaubt und die Lage Griechenlands deshalb zu günstig angesehen hat.“

Für persönliche Orientierung Militärattachee. Sofia und Konstantinopel unter Nr. 594 bezw. 245 benachrichtigt.

Militärattachee Athen.


[Mirbach]



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