1913-06-06-DE-002
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Quelle: DE/PA-AA/R14079
Zentraljournal: 1913-A-11384
Erste Internetveröffentlichung: 2017 November
Edition: Armenische Reformen
Telegramm-Abgang: 06/06/1913 06:55 PM
Telegramm-Ankunft: 06/07/1913 01:25 AM
Praesentatsdatum: 06/07/1913 a.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 302
Zustand: A
Letzte Änderung: 11/19/2017


Der Botschafter in Konstantinopel (Wangenheim) an das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht


Therapia, den 6. Juni 1913


Nr. 302.

Im Anschlußan Telegramm Nr. 3001.

Großwesir sagte mir, er habe wegen Anregung der armenischen Frage durch uns mit verschiedenen politischen Freunden gesprochen. Letztere hätten übereinstimmend die Meinung geäußert, daß Deutschland sich von den Mohammedanern ab und den Armeniern zuwende, worauf auch schon der Flottenbesuch in Mersina und Alexandrette hingedeutet hätte. Er persönlich wisse ja, daß es uns nur darauf ankomme, die Armenier nicht ganz unter russischen Einfluß fallen zu lassen. Die Feinheit einer solchen Politik könne er aber kaum einem Kollegen, geschweige denn dem Volk verständlich machen. Ihm schiene es mehr im deutschen und türkischen Interesse zu liegen, wenn die Frage von türkenfeindlicher Seite angeschnitten würde. In einem solchen Falle würde er sofort durch amtliche Kundgebung darauf hinweisen können, daß die armenischen Schwierigkeiten lediglich durch die Weigerung Rußlands hervorgerufen seien, Straßen und Eisenbahnen in den bedrohten Gebieten bauen zu lassen. Zu einer deutschen Initiative müsse die Türkei schweigen. Welche Wirkung unser Vorgehen auf die Armenier ausüben werde, brauche er mir nicht zu sagen.

Ich habe sofort erwidert, unser Schritt, von dem ich nicht wisse, ob er schon geschehen ist, bedeute auf keinen Fall eine Einmischung in innertürkische Angelegenheiten, sondern im Gegenteil den Versuch, jedem Interventionsversuch anderer Mächte die Spitze abzubrechen. Stelle sich Deutschland von vornherein auf einen gerechten und gemäßigten Standpunkt, so würden andere Mächte zögern, sich durch Aufstellung radikaler Forderungen in einen Gegensatz zu uns zu stellen.


[Wangenheim]

1 Dok. 1913-06-05-DE-003.




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