1916-04-19-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14091
Zentraljournal: 1916-A-10143
Erste Internetveröffentlichung: 2003 April
Edition: Genozid 1915/16
Praesentatsdatum: 04/19/1916 p.m.
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Direktor der Deutschen Orientbank Erich Alexander an den Legationsrat im Auswärtigen Amt Rosenberg

Privatschreiben



Berlin, den 19. April 1916
Sehr verehrter Herr Geheimrat,

Im Anschluss an meine Mitteilungen vom 6. d.M [Siehe Dok. 1916-04-06-DE-001.]., betr. Evangelische Propaganda erlaube ich mir, Ihnen anbei streng vertraulich Abschrift eines Schreibens des Herrn Lebrecht an mich zu übersenden.

Ihr Einverständnis voraussetzend, werde ich Herrn Lebrecht anweisen, seiner Anregung entsprechend, das Propagandamaterial der Nachrichtenstelle der Deutschen Botschaft (Baron Max von Oppenheim) zur weiteren Veranlassung zu übergeben.

Hochachtungsvoll ganz ergebenst


Alexander
Anlage

Abschrift.

Constantinopel, 12/4/16.
Zurückkommend auf Ihr Schreiben vom 2. v.M. beeile ich mich, Ihnen mitzuteilen, dass die Botschaft bereits über die Angelegenheit der uns direkt zugehenden Propagandaschriften unterrichtet ist, und auch dem Auswärtigen Amt entsprechende Mitteilungen gemacht hat, aus denen hervorgeht, dass unsere Bank mit dieser Angelegenheit nichts zu tun hat. Es handelt sich um Propagandaschriften der dortigen Nachrichtenstelle des Abgeordneten Erzberger, welche uns durch den Kurier des Auswärtigen Amts mit der Aufschrift “Sicher für die Deutsche Orientbank Constantinopel” zugehen. Diese Propagandaschriften bestehen regelmässig aus den Evangelischen Wochenbriefen, sowie aus verschiedenen Exemplaren des “Diaire de la Guerre” und Auszügen aus deutschen Zeitungen, welche von uns bisher ohne Prüfung des Inhalts mit dem Stempel “durch Vermittlung der Deutschen Orientbank” versehen lediglich an die Adressaten weitergeleitet wurden. Die Weiterversendung der Evangelischen Wochenbriefe ist bis nach Erhalt weiterer Instruktionen von Ihnen sistiert worden, während die beiden anderen Propagandaschriften, welche hauptsächlich für deutsche Stellen bestimmt sind, weitergeleitet werden, jedoch unter Unterdrückung des Vermerks “durch Vermittlung der Deutschen Orientbank”. Es dürfte vielleicht das empfehlenwerteste sein, wenn wir einfach das uns zugehende Propagandamaterial in Zukunft der Nachrichtenstelle der Kaiserl. Deutschen Botschaft (Max von Oppenheim) zwecks Veranlassung des erforderlich Scheinenden übergeben. Einliegend sende ich Ihnen je ein Exemplar dieser Propagandaschriften zur Kenntnisnahme, wobei ich nochmals bemerken möchte, dass nach den mir offiziell gemachten Mitteilungen unsere Bank in gar keiner Weise kompromittiert erscheint. In Erwartung Ihrer Entscheidung verbleibe ich mit besten Grüssen

Ihr ganz ergebener


[Lebrecht]

[Notiz Rosenberg 19.4.]


bitte um den Bericht aus Pera von Ende März oder Anfang April über die “Evang. Wochenbriefe”.


[Antwort Rosenberg an Erich Alexander 22.4.]

Sehr verehrter Herr Direktor,

mit verbindlichstem Dank bestätige ich Ihnen den Empfang Ihres gfl. Schreibens vom 19. d.Mts. Ich bin durchaus damit einverstanden, dass die Filiale in Constantinopel das ihr zugehende Propagandamaterial, der Anregung des Herrn Lebrecht entsprechend, einstweilen der Nachrichtenstelle der Kaiserlichen Botschaft zur weiteren Veranlassung übergibt. Wegen der Evangelischen Wochenbriefe behalte ich mir Rücksprache mit dem zur Zeit verreisten Herrn Erzberger vor.


[Notiz Rosenberg 22.4.]


Wie Herr Erzberger mitteilt, gehen diese Wochenbriefe an Graf Lüttichau. Herr Erzberger wird diesen bitten, sich vor Verbreitung der Briefe jedesmal mit der Botschaft ins Benehmen zu setzen.



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